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Management

Vertrauen zahlt sich aus

Die Kreditzinsen sind weiter auf dem Tiefststand. Gleichzeitig bekommt man kaum mehr Zinsen für Erspartes. Es lohnt sich jetzt zu investieren. Egal, ob Sie neue Maschinen anschaffen, Material für einen Großauftrag einkaufen wollen oder Geld für eine Übernahme brauchen. Die meisten Banken und Sparkassen verfügen über hohe Spareinlagen und freuen sich über Kreditgeschäfte. Finanziert werden aber nur solide und gut durchdachte Vorhaben, die mit Fakten belegt werden. Bevor Finanzinstitute einen Kredit vergeben, machen sie sich ein Bild von der (finanziellen) Situation des Unternehmens und erteilen eine Ratingnote, die Auskunft gibt über die Kreditwürdigkeit. Wir haben uns in der Branche umgehört und geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Rating optimieren können.

Bild oben: Foto: © Marco2811_stock.adobe.com

1 VOR­BEREIT­ET INS GE­SPRÄCH GE­HEN

Foto: © Marco2811_stock.adobe.com
Fo­to: © Mar­co2811_stock.adobe.com

Es soll vorkom­men, dass Un­terneh­mer un­vor­bereit­et zu ihrem Bank­ber­ater ge­hen und sa­gen: „Ich brauche 50.000 Eu­ro.“ Wozu das Geld benötigt wird, kön­nen sie aber nicht ge­nau erk­lären. Auch über die Konse­quenzen haben sie sich keine Ge­danken ge­macht – et­wa, ob die Maschi­nen aus­ge­lastet oder welche Kosten und Um­sätze durch die In­vesti­tion zu er­warten sind. Dass der Bank­ber­ater in so einem Fall nicht so­fort den Blankoscheck ausstellt, sollte klar sein. Wer sich gut auf das Ge­spräch mit sein­er Bank vor­bereit­et, hat wesentlich bessere Karten. Denken Sie daran, aktuelle Un­ter­la­gen wie Busi­ness­pläne, Fi­nanz­pla­nun­gen, Bi­lanzen und BWA mitzubrin­gen, oder reichen Sie diese schon im Vor­feld des Ge­spräch­es ein, damit sich der Fir­menkun­den­be­treuer vor­bereit­en kann.

Tipp: Die Fi­nanzin­sti­tute in­teressiert vor allem die Bonität eines Kun­den und erst in zweit­er Linie die Besicherung. Man muss den Be­r­ater im Ge­spräch „mit­neh­men“ und Geschäfts­mod­ell sowie Vorhaben plau­si­bel er­läutern kön­nen.

2 MIT­TEL­FRISTIGE PLA­NUNG

Auch wenn sich im Dig­i­talzei­tal­ter die Geschäfts­mod­elle und die Wett­be­werbs­si­t­u­a­tion sch­nell än­dern kön­nen – Banken schätzen nach wie vor eine gewisse Plan­barkeit. Wer eine Fün­f­jahre­s­pla­nung vor­le­gen kann und diese regelmäßig mit dem Ist-Zu­s­tand ab­gleicht, kann sein­er Bank aktuelle und über­sichtliche In­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung stellen.

Tipp: Eine mit­tel­fristige Busi­ness­pla­nung hilft nicht nur bei Kred­it­ge­sprächen. Sie ver­schafft auch in­tern mehr Über­blick und hilft, um­satzsch­wächere Mo­nate zu verkraften sowie geziel­ter zu in­vestieren.

3 VER­TRAUENSVER­HÄLT­NIS

Bei Bankgeschäften ge­ht es um Ver­trauen. Das steckt schon im Wort „Kred­it“, das von dem Lateinischen „cred­ere“ abgeleit­et wird. Hört man sich bei Banken und Sparkassen um, so rat­en alle In­sti­tute, frühzeitig den Kon­takt zum Kred­it­ge­ber zu suchen und auch den Kon­takt zu pfle­gen. Man sollte sei­nen Be­r­ater im­mer auf dem Laufen­d­en hal­ten und nicht erst hinge­hen, wenn man drin­gend eine Fi­nanzierung braucht.

Tipp: Üblich ist es, dass die Be­r­ater ihre Fir­menkun­den min­destens ein­mal im Jahr zu einem Ge­spräch ein­la­den. Hi­er wird dem Kun­den auch ver­rat­en, welche Rat­ing­note er hat und wo­ran er ar­beit­en sollte. So ein Bankge­spräch sollte man sich nicht ent­ge­hen lassen.

4 HARTE FAK­TEN

Bei der Kred­itver­gabe sind Fi­nanzin­sti­tute stren­gen Regeln un­ter­wor­fen. Die Vorschriften zur Banken­reg­ulierung bein­hal­ten, dass die In­sti­tute aktuelle Zahlen und Fak­ten vorgelegt bekom­men müssen und dass ein so­ge­nan­ntes Rat­ing er­stellt wird. An­hand der Rat­ing­note be­w­erten die Banken die Bonität und das Aus­fall­risiko eines Kun­den. Wichtige Fak­toren, die ins Rat­ing ein­fließen, sind der Jahres­ab­sch­luss und die Be­trieb­swirtschaftliche Ausw­er­tung (BWA). Es gibt noch eine ganze Rei­he von Rat­ing­fak­toren, die die Kred­itwürdigkeit eines Un­terneh­mens be­w­erten. Dazu zählen beispiel­sweise die Ei­genkap­i­talquote, der Cash­flow oder die Liquid­ität­s­lage. Aus die­sen Zahlen kann man u.a. able­sen, wie viel aus ei­ge­nen Mit­teln fi­nanziert wer­den kön­nte, ob Puf­fer für sch­lechte Zeit­en vor­lie­gen und ob die Zah­lungs­fähigkeit jed­erzeit gewähr­leis­tet ist.

Tipp: Welche Fak­toren ge­nau in das bank­in­terne Prüfver­fahren ein­fließen und welche Gewich­tung die einzel­nen Fak­toren bekom­men, bleibt Be­triebs­ge­heim­nis der jew­eili­gen rat­ingver­ant­wortlichen In­sti­tu­tio­nen (Ver­bände, Rechenzen­tren). Die zu­vor ge­nan­n­ten Fi­nanzkenn­zahlen wer­den je­doch im­mer berück­sichtigt.

5 WEICHE FAK­TOREN

Ins Rat­ing fließen aber auch qual­i­ta­tive Fak­toren ein: Da ge­ht es z.B. um die Dauer der Geschäftsverbin­dung, das Al­ter des Un­terneh­mens, ob die Un­terneh­men­s­nach­folge schon geregelt ist oder um die Kun­den- und Lie­fer­an­ten­struk­tur. Auch auf die Ma­n­age­mentleis­tung des Un­terneh­mers acht­en die Bank­ber­ater. Er­wartet wird neben dem hand­w­erk­lichen Fach­wis­sen auch kaufmän­nisch­es Denken: Ein Un­terneh­mer soll nicht nur die Bi­lanz und BWA mit­brin­gen, son­dern sich auch mit den Zahlen ausken­nen und wis­sen, wie es um sei­nen Be­trieb ste­ht.

Tipp: Schreiben Sie sich einige Wochen lang gleich mor­gens nach dem Aufwachen alles auf, was Ih­nen durch den Kopf ge­ht: unan­genehme Ge­danken an den Job, die Einkauf­s­liste oder Ter­mine mit blö­den Kun­den. Diese Übung hilft einem beim Re­flek­tieren – und sch­ließlich Lenken – der ei­ge­nen Ge­fühl­s­lage. Man stellt z.B. sch­nell fest: Viele neg­a­tive Ge­danken sind to­tal über­flüs­sig, weil man noch gar nicht sich­er sein kann, dass et­was sch­lecht aus­ge­ht.

Ausgabe 06/2017