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Umzug? Nur mit Profis!

Ob privat oder mit der ganzen Firma – ein Standortwechsel mit Sack und Pack ist eine Herausforderung.

Bild oben: Gerade bei internationalen Umzügen sind Spezialkenntnisse gefragt – Stichwort Zoll (Foto: AMÖ)
Bess­er drei­mal abge­bran­nt als ein­mal umge­zo­gen. Sprüche dies­er Art mö­gen uralt und über­zo­gen sein. Aber sie en­thal­ten doch ei­nen wahren Kern: Viele Men­schen haben vor einem Umzug enor­men Re­spekt. Und das nicht ohne Grund. Denn bei einem Adressen­wech­sel mit Sack und Pack gibt es viele Fall­stricke, insbe­son­dere im pri­vat­en Bereich. Deswe­gen dürften gewer­bliche Umzüge für Mö­bel­s­pedi­teure im Sch­nitt auch die dank­bar­eren Geschäfte sein. „Die Liste der Un­wäg­barkeit­en ist beim Gewerbe nor­maler­weise geringer“, sagt Dierk Hochge­sang, Geschäfts­führ­er beim Bun­desver­band Mö­bel­s­pedi­tion und Lo­gis­tik (AMÖ) mit Sitz in Hat­ter­sheim/Main. Der Ver­band mit dem rol­len­den Kän­gu­ru ver­tritt rund 900 Mit­glied­sun­terneh­men. „Im pri­vat­en Bereich kann es schon mal Über­raschun­gen geben“, so Hochge­sang. Beispiele ken­nt jed­er: et­wa die Küche, die ei­gentlich übers In­ter­net verkauft oder vom Nach­mi­eter über­nom­men wer­den sollte, und nun doch kei­nen Ab­neh­mer ge­fun­den hat – und deswe­gen ent­ge­gen der Ab­sprache in den Lkw soll. Oder Kis­ten, die am Umzug­ster­min noch nicht ge­packt sind, weil man bei all dem Stress ein­fach noch keine Zeit dazu hatte. „Da fängt der Spedi­teur dann an zu im­pro­visieren“, sagt der Ver­band­schef.

Woch­e­nen­den bevorzugt

Gerade bei internationalen Umzügen sind Spezialkenntnisse gefragt – Stichwort Zoll (Foto: AMÖ)
Ger­ade bei in­ter­na­tio­nalen Umzü­gen sind Spezialken­nt­nisse ge­fragt – Stich­wort Zoll (Fo­to: AMÖ)

Gewer­beumzüge dage­gen wür­den vom Auf­tragge­ber bess­er ge­plant, weil er ein be­trie­blich­es In­teresse an einem rei­bungs­losen Ablauf habe. „Der Pla­nungsaufwand im Vor­feld ist höher, dafür klappt es in der Regel besser“, bringt Dierk Hochge­sang den Haup­tun­ter­schied zwischen Gewerbe und Pri­vat auf ei­nen Nen­n­er. Das heißt aber nicht, dass ein Fir­menumzug auf die leichte Schul­ter genom­men wer­den sollte. „Oft darf der Be­triebs­ablauf nicht spür­bar un­ter­brochen wer­den. Häu­fig kommt da­her die Vor­gabe, dass der Umzug am Woch­e­nende stattfin­d­en muss, damit am Mon­tag wied­er alles funk­tioniert“, so der AMÖ-Geschäfts­führ­er. „Im Nor­mal­fall gibt es ein ganz bes­timmtes, en­ges Zeit­fen­ster.“ Das hänge u.a. auch mit Ur­laubssper­ren zusam­men, die we­gen eines Umzugs ver­hängt wür­den – und nicht so ein­fach auf unbes­timmte Zeit zu ver­längern sind. „Bei einem Pri­va­tumzug gibt es in der Regel et­was mehr Luft, schon allein de­shalb, weil ja auch beim Kun­den mal et­was hak­en kann.“ Das Sch­limm­ste, be­tont Hochge­sang, was passieren könne, sei eine Be­trieb­sun­ter­brechung mit Er­tragsaus­fällen.
Ent­sprechend sorgfältig muss alles ge­plant wer­den. Die größeren Spedi­tio­nen haben dafür ei­gene Abteilun­gen. „Wer Gewer­beumzüge macht, lebt von der Akku­ratesse sein­er Ar­beit“, bringt es der Ver­bandsvertreter auf den Punkt. „Jede Akte muss im neuen Ge­bäude wied­er an ihren al­ten Platz. Das ist im­mens wichtig.“ Er rät da­her drin­gend, sich vor Auf­tragsver­gabe schriftliche Ref­erenzen geben zu lassen: Was hat der An­bi­eter in den ver­gan­ge­nen drei Jahren an ver­gleich­baren Umzü­gen ge­macht? „Da würde ich nicht auf mündliche Ver­sprechun­gen ver­trauen“, sagt Dierk Hochge­sang. Dazu passt auch fol­gende War­nung der AMÖ: „Vor­sicht ,sch­warze Schafe’!“ Lei­der tum­mel­ten sich auf dem Umzugs­markt auch „sch­warze Schafe“, die Umzugswil­lige mit Bil­li­gange­boten köderten. Auch toll ge­machte In­ter­net­seit­en kön­n­ten täuschen. Ist das Umzugsgut erst ein­mal aufge­la­den, komme es vor, dass unser­iöse An­bi­eter neue Zah­lungs­forderun­gen er­höben. „Außer­dem sind eventuelle Schä­den am Umzugsgut oder in den Woh­nun­gen bei die­sen An­bi­etern häu­fig nicht ver­sichert. Ärg­er ist für Umzugssch­näp­pchen­jäger pro­gram­miert.“

Auch EDV muss mit

Dierk Hochgesang, Geschäftsführer beim Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ)(Foto: AMÖ)
Dierk Hochge­sang, Geschäfts­führ­er beim Bun­desver­band Mö­bel­s­pedi­tion und Lo­gis­tik (AMÖ)(Fo­to: AMÖ)


Ein qual­i­fiziertes Un­terneh­men er­mit­tle dage­gen zusam­men mit den Umzie­hen­den den Um­fang des Umzugs. Es stimme mit ih­nen ab, welche Di­en­stleis­tun­gen sie wün­scht­en, und sch­ließe ei­nen schriftlichen Umzugsver­trag. „Umzie­hende kön­nen beispiel­sweise nur den Tran­s­port vere­in­baren, bei dem das Un­terneh­men die ge­pack­ten Umzugskar­tons ab­holt und in die neue Woh­nung tran­s­portiert. Beim Full-Ser­vice-Umzug übern­immt das Un­terneh­men dage­gen neben Ver­pack­ung und Tran­s­port den ge­samten Auf- und Ab­bau von Mö­beln, Lam­p­en, Ein­bauküchen und weitere hand­w­erk­liche Leis­tun­gen.“ Wer umzie­he, müsse dann kei­nen Fin­ger krumm machen. „In je­dem Fall er­scheint am Umzugs­tag pünktlich das qual­i­fizierte Fach­per­so­n­al und erledigt den Umzug zu­ver­läs­sig, sch­nell und gewis­sen­haft. Das ist auch wichtig, sch­ließlich ver­trauen Umzie­hende dem Un­terneh­men ihr ge­samtes Hab und Gut an.“ Das gilt natür­lich auch bei Un­terneh­men: Allein der stetig wach­sende EDV-Aufwand, der ja mit umzie­hen muss, be­darf spezieller Fähigkeit­en. In­zwischen bi­eten viele Fir­men heute bere­its den Wied­er­an­sch­luss der Tech­nik in­k­lu­sive Funk­tion­stest als Ser­vice an. „Wenn es aber hin­ter die Pass­wort-Ebene ge­ht, sollte der IT-Be­treuer des beauf­tra­gen­den Un­terneh­mens selbst tätig wer­den“, lautet die Empfeh­lung des AMÖ.
Was aber, wenn nicht nur die Ver­wal­tung, son­dern ein kom­plet­ter pro­duzieren­der Be­trieb den Stan­dort wech­selt? Dafür gibt es Spedi­tio­nen, die mit Spezial­fahrzeu­gen sch­were Maschi­nen und An­la­gen tran­s­portieren. Über­haupt gibt es für jede Her­aus­forderung Spezial­is­ten, z.B. wenn ganze Kranken­häus­er umzie­hen. „Aber nicht jed­er kann alles“, so der Chef des Bun­desver­bands. So gebe es Pro­fis für Labo­rumzüge, die u.a. mit toxischen Stof­fen umge­hen kön­nen. „Die wären aber nicht zwangs­läu­fig auch für den Umzug eines Com­put­er­to­mo­grafen geeignet.“ Bei in­ter­na­tio­nalen Umzü­gen sei zu­dem die Zoll- und Ver­pack­ungskom­pe­tenz von großer Be­deu­tung – damit die schicke Lack­küche auch den hefti­gen See­gang des At­lan­tiks heil über­ste­ht.

Daniel Boss | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 09/2016



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