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Tue Gutes und rede darüber

Der derzeitige Umbruch bei der betrieblichen Altersversorgung ist eine große Chance für Mittelständler. Jedoch sollten sie die Änderungen und Bestimmungen auch gut umsetzen und kommunizieren.

Bild oben: (Foto: © buri327 – stock.adobe.com)
Es tut sich viel bei der be­trie­blichen Al­tersver­sor­gung (bAV). Durch das neue Be­trieb­s­ren­ten­stärkungs­ge­setz soll sich deren At­trak­tiv­ität für Ar­beit­neh­mer er­höhen. Das kön­nte klap­pen. So se­hen es zu­min­d­est 64 Prozent von 200 Per­so­nalern deutsch­er Mit­tel­ständler. Sie wur­den im Jan­uar 2017 bei der repräsen­ta­tiv­en Studie „Be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung im Mit­tel­s­tand 2017“ der Gen­er­ali Ver­sicherun­gen und des F.A.Z.-In­sti­tuts be­fragt. Aber auch Ar­beit­ge­ber sollen von dem neuen Ge­setz pro­f­i­tieren. So kön­nen diese durch das neue Ge­setz künftig gewisse Be­träge mo­natlich in die be­trie­bliche Al­tersvor­sorge ein­zahlen, müssen aber keine Garan­tie überneh­men für den Auszah­lungs­be­trag der Rente der Ar­beit­neh­mer im Al­ter, erk­lärt Klaus Stie­fer­mann, Geschäfts­führ­er der Ar­beits­ge­mein­schaft für be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung e. V. (aba). Auch die Ver­sor­gung­sein­rich­tung haftet Stie­fer­mann zu­folge dann nur eingeschränkt, hat aber weit­er­hin feste Regeln, nach de­nen sie in­vestieren muss. Vo­raus­set­zung dafür sind allerd­ings Tar­ifverträge, die erst nach den Tar­ifver­hand­lun­gen geän­dert wer­den. Da­her wird diese Än­derung laut Stie­fer­mann wohl nicht vor 2019 rel­e­vant wer­den. Un­terneh­mer soll­ten sich dies­bezüglich allerd­ings auf dem Laufen­d­en hal­ten. Bish­er durften Ar­beit­ge­ber und/oder Ar­beit­neh­mer Stie­fer­mann zu­folge außer­dem max­i­mal vi­er Prozent des Brut­tolohns zuzüglich 1.800 Eu­ro im Jahr, derzeit bis zu 4.800 Eu­ro, in die bAV ein­speisen. „Diese Grenze wird durch das neue Ge­setz auf rund 6.000 Eu­ro ange­hoben und nicht aus­geschöpfte Kontin­gente ver­fall­en nicht wie zu­vor, son­dern kön­nen in­n­er­halb von fünf Jahren nachge­holt wer­den“, so Stie­fer­mann weit­er. Generell gibt es für Ar­beit­ge­ber fünf Wege, eine bAV umzusetzen (sie­he Kas­ten 1). „Den ger­ing­sten Ver­wal­tungsaufwand für das Un­terneh­men verur­sachen in der Regel Di­rektver­sicherun­gen“, sagt Hans-Gün­ter Vinzentz, Dozent für die be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung bei der IHK Mittler­er Nied­er­rhein. Für das Un­terneh­men ent­fall­en bei dies­er Al­ter­na­tive Kosten für ver­sicherungs­mathe­ma­tische Gu­tacht­en und Beiträge zum Pen­sions-Sicherungs-Verein (PS­VaG). Im Un­terneh­men ent­ste­ht Vinzentz zu­folge lediglich der Bei­tragsaufwand, und die Ver­sor­gungszusage ist nicht in der Bi­lanz auszuweisen – im Ge­gen­satz zu Di­rektzusa­gen. Gut für den Ar­beit­neh­mer sei eine Di­rektver­sicherung dann, wenn der Ar­beit­neh­mer Teile sein­er Bezüge für die Al­tersver­sor­gung über die so ge­nan­nte Ent­gel­tumwand­lung ver­wende, so Vinzentz weit­er, „und der Ar­beit­ge­ber min­destens seine Sozialver­sicherungsers­par­nis als Zuschuss in die Di­rektver­sicherung ein­zahlt.“ Oft wür­den Ar­beit­ge­ber 20 Prozent Zuschuss pauschal zur Ent­gel­tumwand­lung dazugeben, um den Auf­bau der Al­tersver­sor­gung zu un­ter­stützen. Vom Vol­u­men her sind die Mit­tel für Di­rektzusa­gen, auch Pen­sion­szusa­gen ge­nan­nt, am höch­sten. Die Deck­ungs­mit­tel der be­trie­blichen Al­tersver­sor­gung in der deutschen Pri­vatwirtschaft be­tru­gen Ende des Jahres 2015 575 Mil­liar­den Eu­ro. Davon ent­fielen auf Di­rektzusa­gen mit knapp 290 Mil­liar­den Eu­ro laut An­gaben der aba rund die Hälfte. Bei ein­er Di­rektzusage/Pen­sion­szusage verpflichtet sich der Un­terneh­mer, dem Ar­beit­neh­mer im Pen­sion­sal­ter eine Be­trieb­s­rente aus dem Be­triebsver­mö­gen zu zahlen, wofür er Pen­sion­s­rück­stel­lun­gen zahlt. Bei solchen Lö­sun­gen beste­ht laut Stie­fer­mann für Un­terneh­men der Vorteil, dass sie ihre bAV in­nen­fi­nanzieren kön­nen und da­durch Steuern sparen. Von Nachteil sei der ho­he Ver­wal­tungsaufwand und dass die Un­terneh­mer die Risiken dann allein tra­gen.

Ex­terne Durch­führungswege

(Foto: © buri327 – stock.adobe.com)
(Fo­to: © buri327 – stock.adobe.com)
Bei ex­ter­nen Durch­führungswe­gen hat der Ar­beit­ge­ber Stie­fer­mann zu­folge den Aufwand, eine Sch­nitt­stelle zu sein­er Lohn- und Ge­halts-Soft­ware herzustellen, muss aber un­ter an­derem keine ei­gene Be­trieb­s­ren­ten­abteilung grün­den. „Außer­dem müssen sich die Un­terneh­mer in die­sem Fall auch nicht um die In­for­ma­tion der Mi­tar­beit­er und die Ein- und Auszah­lung der Rente küm­mern“, erk­lärt bAV-Ex­perte Stie­fer­mann weit­er. Da­her seien diese Wege für kleinere Be­triebe zu empfehlen. Ein­er dies­er ex­ter­nen Wege ist der über Pen­sion­skassen. Sie sind Ver­sor­gung­sein­rich­tun­gen, die von einem oder mehr­eren Un­terneh­men be­trieben wer­den. Die Ri­ester-Förderung für die be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung über fi­nanzielle Zu­la­gen und ei­nen steuer­lichen Son­der­aus­gaben­abzug kön­nen Ar­beit­neh­mer laut An­gaben der Deutschen Ren­ten­ver­sicherung Bund über eine Pen­sion­skasse, bei ein­er Di­rektver­sicherung und einem Pen­sions­fonds grund­sät­zlich nutzen, wenn die Beiträge Teil des ver­s­teuerten Einkom­mens sind. Diese Möglichkeit kön­nte per­spek­tivisch in­teres­san­ter wer­den. Denn das Be­trieb­s­ren­ten­stärkungs­ge­setz er­möglicht es, dass künftig bei der Ri­ester­rente nicht mehr zwischen be­trie­blich­er und pri­vater Rente un­ter­schie­den wird, „da bei be­trie­blichen Varian­ten Ar­beit­neh­mer im Al­ter nicht mehr, wie bish­er, noch­mals sozial­ab­gaben­fäl­lig wer­den“, erk­lärt Stie­fer­mann.

Pen­sions­fonds kön­nen frei­er in­vestieren

Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V.
Klaus Stie­fer­mann, Geschäfts­führ­er der Ar­beits­ge­mein­schaft für be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung e.V.

Von den An­lagemöglichkeit­en sind Pen­sions­fonds als rechtlich selb­st­ständige Ver­sor­gung­sein­rich­tun­gen laut An­gaben der Deutschen Ren­ten­ver­sicherung Bund frei­er in der Wahl ihr­er Gel­dan­la­gen als Di­rektver­sicherun­gen und Pen­sion­skassen. Damit seien zwar höhere Ren­diten möglich, doch beste­he auch ein größeres Risiko für Ver­luste. Die fünfte Möglichkeit, eine be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung aufzubauen, ist eine Ver­sor­gung­sein­rich­tung, die un­ter dem Na­men Un­ter­stützungskasse von einem oder mehr­eren Un­terneh­men ge­grün­det wird. Die Mi­tar­beit­er haben laut An­gaben der Deutschen Ren­ten­ver­sicherung Bund kei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen durch die Un­ter­stützungskasse, son­dern nur ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber. Generell soll­ten Fir­men mit beste­hen­der Ver­sicherungs­lö­sung laut Vinzentz neue Tar­ife prüfen, die als Leis­tung nur noch die Summe der eingezahl­ten Beiträge garan­tieren, da an­dere Lö­sun­gen mit garan­tierten Verzin­sun­gen derzeit kaum Ren­ditechan­cen bi­eten.

Die betriebliche Altersversorgung kann unterschiedlich umgesetzt werden (Foto: © Kurt Kleemann – stock.adobe.com)
Die be­trie­bliche Al­tersver­sor­gung kann un­ter­schiedlich umge­set­zt wer­den (Fo­to: © Kurt Klee­mann – stock.adobe.com)

Bar­bara Bocks | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017