Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Management

Studenten als Praktikanten beschäftigen

Was bei Sozialversicherung und Vergütung von Praktikanten zu beachten ist.

Sie möcht­en als Ar­beit­ge­ber ei­nen Stu­den­ten als Prak­tikan­ten beschäfti­gen? Dann soll­ten Sie sich über die un­ter­schiedlichen Arten des Prak­tikums ge­nau in­for­mieren. Nicht alle Prak­ti­ka er­füllen die­sel­ben Vo­raus­set­zun­gen. Die Regeln zur Sozialver­sicherung und dem Ge­halt des Prak­tikan­ten kön­nen unüber­sichtlich sein und un­ter­schei­den sich je nach Prak­tikums­form. Wichtig­stes Un­ter­schei­dungskri­teri­um ist, ob es sich bei dem Prak­tikum um ein Pflicht­prak­tikum han­delt, das ein Stu­dent im Zuge sein­er uni­ver­sitären Aus­bil­dung ab­solviert, während­dessen er im­ma­trikuliert ist und welch­es die Stu­dienord­nung vor­sie­ht, oder ob es sich um ein frei­wil­liges Prak­tikum han­delt. Han­delt es sich um ein Pflicht­prak­tikum, ste­ht der Aus­bil­dungszweck (ähn­lich der reg­ulären Beruf­saus­bil­dung nach dem BBiG) im Vorder­grund. Wird eine Vergü­tung gezahlt, ist diese de­shalb auch eher mit ein­er Aufwand­sentschädi­gung oder Bei­hilfe zum Leben­sun­ter­halt ver­gleich­bar. Der Ar­beit­ge­ber muss dann keine Sozialver­sicherungs­beiträge abführen, selbst wenn der Prak­tikant für seine Tätigkeit eine Vergü­tung er­hält. Hin­ter­grund ist, dass der Prak­tikant bere­its an­der­weitig ab­gesichert ist, denn er ist im Rah­men sein­er Stu­den­ten- (oder Fam­i­lien­ver­sicherung) kranken- und pflegev­er­sichert. Auch in der Ren­ten- und der Ar­beit­s­losen­ver­sicherung sind Pflicht­prak­tikan­ten ver­sicherungs­frei. Nur in der Un­fal­lver­sicherung wer­den Pflicht­prak­tikan­ten ver­sichert. Hi­er beste­ht sch­lichtweg der Schutz­zweck, nach dem der Ar­beit­sun­fall und dessen Fol­gen nicht nach dem Sta­tus des Verun­fall­ten dif­ferenziert. Sofern es sich nicht um ein Pflicht­prak­tikum han­delt, ist der Prak­tikant reg­ulär beschäftigt, mit der Folge der grund­sät­zlichen Ver­sicherungspflicht. Maßge­blich ist die Höhe der Vergü­tung. Es gel­ten die all­ge­mei­nen ge­set­zlichen Regelun­gen für die beschäftigten Stu­den­ten, mit zwei Aus­nah­men: Er­stens: Es fall­en keine Sozialver­sicherungs­beiträge an, wenn der Stu­dent kein Ent­gelt für das Prak­tikum er­hält. Zweit­ens: Ver­di­ent der Stu­dent nicht mehr als 450 Eu­ro pro Mo­nat, muss nur ein Pauschal­bei­trag zur Kranken­ver­sicherung, je­doch kein Pauschal­bei­trag zur Ren­ten­ver­sicherung en­trichtet wer­den. Das Min­dest­loh­nge­setz (MiLoG) gilt grund­sät­zlich auch für die Vergü­tung von Prak­tikan­ten. Hi­er ist, wie zu­vor, da­nach zu un­ter­schei­den, ob es sich um ein Pflicht­prak­tikum han­delt oder nicht. Nach § 22 MiLoG beste­ht kein Min­dest­loh­nan­spruch bei Prak­ti­ka, die auf­grund ein­er schul­rechtlichen Bes­tim­mung, ein­er Aus­bil­dung­sord­nung, ein­er hoch­schul­rechtlichen Bes­tim­mung oder im Rah­men eines dualen Stu­di­en­gangs oder ein­er Aus­bil­dung an ein­er ge­set­zlich geregel­ten Beruf­sakademie geleis­tet wer­den. Dies gilt auch für verpflich­t­ende Vor­prak­ti­ka zur Auf­nahme eines Studi­ums. Daneben haben Prak­tikan­ten kei­nen An­spruch auf den ge­set­zlichen Min­dest­lohn, wenn die Prak­ti­ka bis zu ein­er Dauer von drei Mo­nat­en zur Ori­en­tierung für eine Beruf­saus­bil­dung oder für die Auf­nahme eines Studi­ums ab­solviert wer­den. Gleich­es gilt, wenn ein Prak­tikum von bis zu drei Mo­nat­en be­glei­t­end zu ein­er Berufs- oder Hoch­schu­laus­bil­dung er­fol­gt und nicht zu­vor ein solch­es (al­so „echt­es“) Prak­tikumsver­hält­nis mit dem­sel­ben Aus­bil­den­den be­s­tan­den hat. „Be­glei­t­end“ heißt dabei, dass das Prak­tikum während der Aus­bil­dung un­ter­nom­men wird und ei­nen in­haltlichen Bezug zu dies­er aufweist. Hi­er ist das Prak­tikum er­fasst, das nicht zwin­gend von der Stu­dienord­nung vorgeschrieben ist. Soll der Min­dest­lohn nicht gezahlt wer­den, muss die Zeit in dem Un­terneh­men der Aus­bil­dung di­e­nen. Dies kann der Fall sein, wenn der Stu­dent ver­schie­dene Abteilun­gen durch­läuft, damit er prak­tische Er­fahrun­gen sam­melt. Vor­sicht ist bei Schein­prak­ti­ka ge­boten: Falls der Stu­dent zum Beispiel während sein­er Semester­fe­rien in einem Un­terneh­men jobbt, sollte dies nicht als Prak­tikum dek­lari­ert wer­den, denn stellt sich später her­aus, dass es sich nicht um ein Prak­tikums-, son­dern um ein reg­uläres Ar­beitsver­hält­nis han­delt, müssen Ar­beit­ge­ber nicht nur dem Prak­tikan­ten im Nach­hinein ei­nen angemesse­nen Lohn zahlen, son­dern auch Lohn­s­teuer und Sozialver­sicherungs­beiträge nachen­tricht­en. Außer­dem dro­ht eine Straf­barkeit we­gen Voren­thal­tung von Sozialver­sicherungs­beiträ­gen. In Zweifels­fällen kön­nen Sie sich an die Einzugsstelle der Krankenkassen wen­den, die über die Ver­sicherungs- und Bei­tragspflicht in­for­miert.

Ausgabe 09/2016



WEITERE INHALTE