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Business

Branche wünscht sich Regulierung

Seit 2014 steigt die Zahl der Mitarbeiter in der Sicherheitsdienstleistungs-Branche rasant an. Gerade darum setzt sich der Verband BDSW für deutlich höhere Zugangsvoraussetzungen ein.

Bild oben: Der Objektschutz begegnet uns überall im Leben (Foto: © chaiyapruek – stock.adobe.com)
Mit einem zuneh­men­den Un­sicher­heits­ge­fühl in der Bevölkerung und der Flüchtlingskrise rückt auch die Branche der Sicher­heits­di­en­stleis­ter wied­er vermehrt in den Fokus. Das hat für die Un­terneh­men aber nicht nur Vorteile, wie beispiel­sweise die stei­gende Nach­frage, son­dern birgt auch Schat­ten­seit­en, zum Beispiel den Um­s­tand, dass auch ger­ingfügig qual­i­fizierte Di­en­stleis­ter ver­suchen, et­was vom Kuchen abzubekom­men. „Die Zahl der Mi­tar­beit­er ist seit 2014 mas­siv angestie­gen, auch durch die Flüchtlings­si­t­u­a­tion“, so Silke Woll­mann, Press­e­sprecherin des Bun­desver­bands der Sicher­heitswirtschaft (BDSW). Zum Ver­gleich: Waren es am 31. Dezem­ber 2013 noch 207.775 Beschäftigte, die bei Wach- und Sicher­heits­di­en­sten sowie De­tek­teien tätig waren, waren es drei Jahre später, am 31. Dezem­ber 2016, bere­its (nach Schätzung) 265.000 Beschäftigte. „Das sub­jek­tive Sicher­heit­sempfin­d­en ist dafür maßge­blich“, be­grün­det Woll­mann. Wenn sich Haushalte nicht mehr so sich­er fühl­ten, sei das für die Un­terneh­men pos­i­tiv. Die ob­jek­tive Sicher­heit­s­lage sei laut der Press­e­sprecherin dabei gar nicht so sch­lecht.

Großes Um­satz­plus

Der Objektschutz begegnet uns überall im Leben
(Foto: © chaiyapruek – stock.adobe.com)
Der Ob­jektschutz begeg­net uns über­all im Leben (Fo­to: © chaiyapruek – stock.adobe.com)

Die Um­satz­zahlen der Branche sind eben­falls vorzeig­bar. Hatte die Branche 2015 noch 6,96 Mil­liar­den Eu­ro an Um­satz generi­ert, waren es ein Jahr später schon 8,62 Mil­liar­den. Laut ein­er Studie der Fir­ma Lü­nen­donk stieg der Um­satz der 25 größten Sicher­heits­di­en­stleis­ter im Jahr 2015 um durch­sch­nittlich 17,0 Prozent. Woll­mann weiß diese Zahl je­doch zu rel­a­tivieren: Die Um­sätze stie­gen un­ter an­deren auf­grund der Tar­ifer­höhung. Trotz allem kommt aber auch mehr Ar­beit auf die pri­vat­en Sicher­heits­di­en­stleis­ter zu, beispiel­sweise die Bewachung von Bun­deswehr­s­tan­dorten, die mittler­weile out­ge­sourced wer­den. „Klar ist eines – und das ge­ht aus allen die­sen Statis­tiken her­vor – es ge­ht stetig ber­gauf mit der Branche“, so San­dra Zies­sow vom Bun­desver­band mit­tel­ständisch­er Sicher­heit­sun­terneh­men (BVMS). Nach An­gaben des BDSW fall­en 50 Prozent des Ge­sam­tum­satzes auf den Ob­jektschutz­di­enst, al­so den Bereich, in dem sta­tionär ein Ob­jekt bewacht wird, sei es eine Flüchtling­sun­terkunft, eine Baustelle oder eine Fir­ma. Den zweit­größten Teil des Kuchens bekommt mit elf Prozent die Flughafen­sicher­heit, zehn Prozent ent­fall­en auf Notruf- und Ser­vice-Leit­stellen. An­dere Bereiche sind nach BDSW der Geld- und Wert­di­enst (7%), der Schutz mil­itärisch­er Lie­gen­schaften (5%), Safe­ty & Rail (al­so Schutz von Bahn­höfen und -gleisen mit 5%)), Re­vierkon­troll­di­en­ste (4%), Sicher­heit im Einzel­han­del (4%) und De­tek­teien (4%). Im er­weit­erten Rah­men nen­nt der BVMS noch die Pro­duk­tion und den Ein­bau von mech­anischen Sicherun­gen, Ge­fahren­melde­tech­nik und Videoüberwachungssys­te­men sowie Sicher­heit­s­a­nal­y­sen, -konzep­tion und -be­r­a­tung. Es sei allerd­ings nicht im­mer so, dass sich jed­er Di­en­stleis­ter nur um ei­nen Fach­bereich küm­mert, be­merkt Silke Woll­mann: „Fir­men sind Mul­ti­di­en­stleis­ter“. Viele Un­terneh­men hät­ten zwei bis drei Sch­w­er­punkte. Wie alle Branchen befin­d­et sich auch die Sicher­heits­di­en­stleis­tungs-Branche im steti­gen Wan­del. Derzeit ge­ht der Trend hin zu sicher­heit­stech­nik­lasti­gen Di­en­stleis­tun­gen. Je stärk­er der Preis der Tech­nik falle, des­to mehr lohne sich deren Ein­satz, ist Woll­mann überzeugt. Habe man bei al­ten Überwachungs­bildern vielleicht noch erken­nen kön­nen, ob es sich beim Ge­filmten um ei­nen großen oder klei­nen Men­schen han­dle, stände einem heute Video­ma­te­rial in 4k zur Ver­fü­gung. Je­doch be­deute der Wan­del hin zur Tech­nik keine Ab­schaf­fung des Per­so­n­als: „Bis­lang erset­zt noch keine Videoan­lage ei­nen Mi­tar­beit­er“, so Woll­mann. Wohl aber liege das Durch­sch­nitt­sal­ter in der Branche bei 56 Jahren, es feh­le an Nach­wuchs, al­so brauche es die Tech­nik, um feh­len­des Per­so­n­al zu ersetzen.

Zu wenig Qual­i­fika­tion

Silke Wollmann, Pressesprecherin BDSW
Silke Woll­mann, Press­e­sprecherin BDSW


Ein Punkt, der die Branche je­doch noch deut­lich mehr beschäftigt, ist die ge­set­zliche Lage. Denn hi­er hat sich einiges geän­dert: „Die mas­sivste Än­derung ist die Neu­for­mulierung der Bewachungsverord­nung“, erk­lärt Woll­mann. Aussch­laggebend hi­er­für seien Vorkom­men wie die vermeintliche Flüchtlings­mis­shand­lung in Bur­bach. Bish­er reichte es für Wach­per­so­n­al, ein­mal an ein­er IHK-Un­ter­rich­tung teilzuneh­men und eine Zu­ver­läs­sigkeit­süber­prü­fung über sich erge­hen zu lassen. Mittler­weile fin­d­et die Über­prü­fung für je­den Mi­tar­beit­er alle drei Jahre statt. Dem BDSW ge­hen diese Regelun­gen aber noch nicht weit genug. „Wir hät­ten uns eine spezialge­set­zliche Regelung gewün­scht“, so die Press­e­sprecherin. Ein Haus zu bewachen sei eben et­was völ­lig an­deres, als Flüchtlinge in einem Flüchtling­sheim zu überwachen. „Das ge­gen­wärtig ange­wandte Un­ter­rich­tungsver­fahren bzw. die Sachkun­de­prü­fung nach §34a der Gewer­be­ord­nung wird der Viel­falt der durchge­führten Tätigkeit­en [...] nicht gerecht“, heißt es auch in ein­er Broschüre des Ver­ban­des. Man müsse vielmehr nach Sicher­heits- und Ord­nungsauf­gaben dif­ferenzieren. Kurz: Die Ge­setzesän­derung des Bun­des­tages greift zu kurz, Sicher­heit­skräfte sind zu oft noch nicht qual­i­fiziert genug. Hi­er wün­scht sich der Ver­band mehr Reg­ulierung. Hinzu kommt, dass bei Großver­an­s­tal­tun­gen nicht sel­ten ein nicht aus­ge­bilde­ter Ord­nungs­di­enst statt eines pro­fes­sionellen Sicher­heits­di­en­stleis­ters einge­set­zt wird. Hi­er lasse die Ver­samm­lungsstät­ten­verord­nung zu viel Spiel­raum, so Woll­mann.

Der Bil­lig­ste gewin­nt


Als ei­nen weit­eren proble­ma­tischen Punkt bringt der BDSW das The­ma der öf­fentlichen Ausschrei­bung vor. Hi­er ge­ht es in der Regel um das wirtschaftlich­ste Ange­bot. Ei­gentlich hieße das, die beste Leis­tung zu besten Preis bere­itzustellen. „Meist zählt aber der nie­drig­ste Preis“, weiß Silke Woll­mann. Das be­deute aber, dass nicht im­mer die besten, son­dern die bil­lig­sten An­bi­eter den Zusch­lag bekom­men. Un­terneh­men, die sich beispiel­sweise an tar­i­fliche Vor­gaben hal­ten, hät­ten das Nach­se­hen. „Würde nicht der nie­drig­ste Preis zählen, kön­nte die Qual­ität so mas­siv ange­hoben wer­den, dass es eine Verbesserung der Ge­sam­tum­stände mit sich brin­gen würde“, so Woll­mann. „Zum Preis eines Di­en­stleis­ter der Sicher­heitswirtschaft muss man sich eines ganz klar vor Au­gen führen: Der Di­en­stleis­ter – re­spek­tive dessen Mi­tar­beit­er – hat eine ex­trem ho­he Ve­r­ant­wor­tung; für Sach­w­erte, Ver­mö­gen­sw­erte [...] und insbe­son­dere auch Leib und Leben von Per­so­n­en, sprich: Men­schen. Diese Ve­r­ant­wor­tung ist im­mens höher als die aller an­deren Gew­erke!“, ist auch San­dra Zies­sow überzeugt, dass neben dem Preis auch die Leis­tung eines Un­terneh­mens zählen sollte. Die Di­en­stleis­tungs­branche zeigt sich al­so zwei­gesichtig: Als eine Branche, die mas­siv wächst, der es aber auch nach Re­for­men dürstet.

Natha­nael Ull­mann | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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