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Platz für Grün und Lebensqualität

Landschaftsarchitekten kümmern sich um Gärten und Parks, aber auch um öffentliche Plätze sowie um den Verkehr. Ihre Lösungen betreffen jeden von uns, obwohl die Branche recht klein ist. Ein Überblick.

Bild oben: Foto: © Wilm Ihlenfeld – stock.adobe.com
Stadt­land­schaft, Na­tur­land­schaft, In­dus­trie­land­schaft – Land­schaft ist im­mer da. Und doch verän­dert sie sich. Und das nicht nur jahrzeitlich be­d­ingt. Die Em­sch­er, das blaue Band zwischen Dort­mund und Dins­lak­en, un­ter­ste­ht beispiel­sweise einem Mas­ter­plan: em­sch­er:zukunft. Der Ab­wasserka­nal „Köt­tel­beck­e“ wird re­na­turi­ert und neu ges­tal­tet, sprich: Die Ka­nal­i­sa­tion wird endlich erneuert und der Fluss und seine Umge­bung sollen für die Men­schen in der Re­gion wied­er at­trak­tive Leben­s­räume darstellen – durchaus mit in­dus­triekul­turellem Charme. Bis 2020 läuft das groß an­gelegte Pro­jekt, das ständig ak­tu­al­isiert wird. 2013 er­hielt em­sch­er:zukunft den Deutschen Land­schaft­sar­chitek­tur-Preis in der Kat­e­gorie „Son­der­preis In­fras­truk­tur und Land­schaft“. „Das Pro­jekt Mas­ter­plan em­sch­er:zukunft zeigt in ein­drucksvoller Weise, dass es möglich ist, durch die Zusam­me­nar­beit zwischen ver­schie­de­nen Fachdiszi­p­li­nen und einem dial­o­gori­en­tierten Pla­nungsprozess ei­nen isolierten in­fras­truk­turellen Mei­der­aum zu ein­er at­trak­tiv­en, mul­ti­funk­tio­nalen, lebendi­gen Stadt­land­schaft zu en­twick­el­n“, lautet die Be­grün­dung der Ju­ry. Freizei­tan­la­gen, kom­merzielle Ein­rich­tun­gen, aber auch Orte der In­dus­triekul­tur fin­d­en sich ent­lang der Em­sch­er. Orte, die früher ver­mie­den wur­den und eher als Schand­fleck der Re­gion gal­ten, wer­den nun wied­er at­trak­tiv und zu Or­ten, an de­nen man sich gerne aufhält. Land­schaft­sar­chitek­ten pla­nen für die Men­schen und für die Na­tur. Ihr Berufs­bild ist über­aus vielfältig. Sie pla­nen Pri­vat­gärten eben­so wie Fir­men­ter­rassen, Garten­schauen, öf­fentliche Plätze in der Stadt sowie Parkan­la­gen. Sie er­stellen darüber hi­naus auch Na­turschutz- und Er­hol­ungs­pläne, ges­tal­ten Freizeit- und Er­hol­ungsan­la­gen, treten als Gu­tachter auf und prüfen die Umweltverträglichkeit. Aber auch in der Verkehr­s­pla­nung sowie in der Land-, Forst- und Wasser­wirtschaft sind sie tätig. Doch nur beim Pla­nen bleibt es nicht – Land­schaft­sar­chitek­ten sind auch an der Um­set­zung ihr­er Pläne in­volviert. Sie be­treuen die Baustelle, ko­or­dinieren und kon­trol­lieren. Auch für die Bepflanzungs­pläne, Kosten- und Zeit­pläne sind sie zuständig. Neben ökonomischem und fach­lichem Know-how ver­fü­gen sie auch über ein großes bo­tanisch­es Wis­sen. Die Berufs­bezeich­nung Land­schaft­sar­chitekt ist ein geschützter Be­griff: Nur wer in der Liste der zuständi­gen Lan­des-Ar­chitek­tenkam­mer einge­tra­gen ist, darf sich so bezeich­nen. Neben den Ar­chitek­tenkam­mern der Län­der gibt es auch ei­nen Bund Deutsch­er Land­schaft­sar­chitek­ten, bd­la. Der Ver­band beste­ht seit über 100 Jahren und hat bun­desweit mehr als 1.300 Mit­glied­er, darun­ter rund 800 freischaf­fende Land­schaft­sar­chitek­ten. Im Ge­gen­satz dazu gibt es allein in Nor­drhein-West­falen 1.600 Land­schaft­sar­chitek­ten laut der Ar­chitek­tenkam­mer NRW. Ins­ge­samt be­trägt je­doch die An­zahl der in NRW ins­ge­samt angemelde­ten Ar­chitek­ten 31.200. Die Branche der Land­schaft­sar­chitek­ten ist – trotz ihr­er ge­sellschaftlichen und in­di­vi­du­ellen Be­deut­samkeit – recht klein.

Auf­gaben und Her­aus­forderun­gen

Foto: © Wilm Ihlenfeld – stock.adobe.com
Fo­to: © Wilm Ih­len­feld – stock.adobe.com
Kli­mawan­del, En­ergiewende, de­mo­gra­fisch­er Wan­del – mit die­sen Her­aus­forderun­gen im Hin­terkopf en­twick­eln Land­schaft­sar­chitek­ten ihre Lö­sun­gen, um die Land­schaft nach­haltig zu ges­tal­ten. Beispiel­sweise die Kli­maer­wär­mung: Es wird heißer, auch wenn noch kein­er ab­se­hen kann, um wie viel wärmer es tat­säch­lich wird. Ger­ade in Städten mit ein­er in­ten­siv­en Be­bau­ung sind die Som­mer­mo­nate wenig an­genehm. „Die Ver­siegelung natür­lich­er Frei­flächen schreit­et vo­ran – in NRW 15 Hek­tar Tag für Tag“, berichtet Ernst Herb­stre­it, Land­schaft­sar­chitekt und Vor­sitzen­der des Fachausschuss­es „Land­schaft­sar­chitek­ten“ der Ar­chitek­tenkam­mer NRW. „Wir wer­den diese Probleme nur in den Griff bekom­men, wenn wir uns in­ten­siv um ein aus­geglich­enes Ver­hält­nis von Ein­griff in die Na­tur und Be­wahrung der natür­lichen Res­sour­cen be­mühen. Das ist eine der zen­tralen Auf­gaben der Land­schaft­sar­chitek­ten in Nor­drhein-West­falen.“ Das bein­hal­tet, dass dafür auch der am besten geeignete Baum für die In­nen­s­tadt ge­fun­den wer­den muss. Das Pro­jekt „Stadt­grün 2021“ in Bay­ern forscht beispiel­sweise zurzeit nach Bau­marten für ver­schie­dene Kli­ma­zo­nen. Die Ausw­er­tun­gen ste­hen noch aus, dürften aber bun­desweit Aufmerk­samkeit er­re­gen. Zurzeit beschäfti­gen sich Land­schaft­s­plan­er u.a. mit aktuellen The­men wie Hoch­wass­er- sowie Arten­schutz. Im Au­gen­merk von Land­schaft­sar­chitek­ten lie­gen des Weit­eren auch Sport- bzw. Freizei­tan­la­gen, die eine Ju­gendtrend­s­por­tart auf­greifen. So boo­men nicht nur Klet­ter­an­la­gen in NRW, son­dern es ent­ste­hen auch im­mer mehr Skate­parks, Hoch­seil­gärten oder Par­coursstreck­en wie in Bochum. Im Ruhrge­bi­et wer­den vor allem ehe­ma­lige In­dus­trie­flächen zu at­trak­tiv­en Freizeit­flächen umges­tal­tet. Das Grün in der Stadt wird wied­er lebendig ge­macht – auch wenn Land­schaft­s­plan­er im Wett­stre­it um die Fläche mit kom­merziellen Nutz­ern lie­gen und nicht unbe­d­ingt als Sieger vom Platz ge­hen. Eine weitere zen­trale Auf­gabe der Land­schaft­sar­chitek­ten ist es, soziale As­pekte mit ges­tal­terischen, ökol­o­gischen, kli­ma­tischen und ökonomischen As­pek­ten zu verbin­den. Beispiel­sweise der Ber­lin­er Platz in Bot­trop. Wo früher ein Groß­park­platz ohne At­mo­sphäre war, ist heute eine große Frei­fläche mit Sitz- und Aufen­thalts­möglichkeit­en, die vielfältig genutzt wer­den kann. Die Ar­beit die­s­es Berufs­s­tands hat für die Ge­sellschaft sowie für das In­di­vi­du­um ei­nen ho­hen Stel­len­w­ert. An ihren Entschei­dun­gen liegt es, wie Plätze genutzt wer­den kön­nen und was die Leben­squal­ität an einem Stan­dort mitbes­timmt. Dafür es auch im­mer wied­er notwendig, dass Land­schaft­sar­chitek­ten mit der Bevölkerung in ei­nen Dia­log treten.

Mein Un­terneh­men, mein Fir­men­garten

Die Zukunft der Emscher wird lebenswert – für Natur und Mensch (Foto: © S. maranso – stock.adobe.com)
Die Zukunft der Em­sch­er wird leben­sw­ert – für Na­tur und Men­sch (Fo­to: © S. maran­so – stock.adobe.com)

Der Wett­be­werb „Fir­menGärten“ hat in er­ster Linie das Ziel, Im­pulse für mehr Grün auf Un­terneh­mens­grund­stück­en zu setzen. Denn auch Un­terneh­men kön­nen mit Grün­la­gen dazu bei­tra­gen, eine nach­haltige und verbesserte Stad­ten­twick­lung zu fördern. Un­ab­hängig von Be­triebs­größe sind hi­er viele Möglichkeit­en denk­bar: ein be­grün­ter Ein­gangs­bereich, ges­tal­tete In­nen- und Außen­räume, grüne Fas­sa­den und Dachgärten und vie­les mehr. Darüber hi­naus wertet diese grüne Visitenkarte auch das Ar­beit­sum­feld für die Mi­tar­beit­er auf. Eine verbesserte Luftqual­ität sorgt für ein an­genehmes Raumk­li­ma, das grüne Um­feld bi­etet den Au­gen eine Er­hol­ung vom Auf-den-Bild­schirm-Star­ren und in der Mit­tags­pause kann der Lagerar­beit­er im Freien durchat­men.

Das Grün macht den Unterschied (Foto: © S. Engels – stock.adobe.com)
Das Grün macht den Un­ter­schied (Fo­to: © S. En­gels – stock.adobe.com)

Karin Bün­nagel | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017