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Nach dem Regen scheint auch wieder die Sonne

Die Fahrradindustrie hofft auf ein gutes Jahr 2017, nachdem das Jahr 2016 als kleiner Verkaufszahlen-Ausrutscher zu sehen ist. Der Umsatz steigt jedoch weiterhin und der Fachhandel bleibt Ansprechpunkt Nummer eins bei den Kunden.

Bild oben: Über zwei Drittel aller Fahrräder werden im Fachhandel gekauft (Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
„2016 war ein sch­wieriges Jahr für die deutsche Fahr­radin­dus­trie. Die Branche ist stark von den Wit­terungsbe­din­gun­gen während der Fahr­rad­sai­son ab­hängig und diese waren lei­der im er­sten Hal­b­jahr denk­bar ungün­stig.", so Siegfried Neu­berg­er, Geschäfts­führ­er des Zwei­rad-In­dus­trie-Ver­band e.V (ZIV). Glück­licher­weise kon­nte in der zweit­en Jahreshälfte viel Bo­den wied­ergut­ge­macht wer­den, so­dass die Branche un­ter dem Strich den­noch zufrie­den sein kann. Wir dür­fen nicht vergessen, dass die Jahre 2014 und 2015 her­vor­ra­gend für die In­dus­trie ver­lie­fen und dem­nach auf ho­hem Niveau ver­glichen wird. Wir blick­en sehr zu­ver­sichtlich in die Zukunft.“ Diese Aus­sage lässt sich an­hand von Dat­en und Fak­ten mehr als nur bestäti­gen. So liegt der Ab­satz an Fahr­rädern und E-Bikes mit 4,05 Mil­lio­nen Ein­heit­en im Jahr 2016 um 6,9 Prozent un­ter dem des Vor­jahres. Er­freulich hinge­gen ist allerd­ings die Tat­sache, dass der Verkauf­sw­ert von 2,43 Mil­liar­den Eu­ro auf 2,60 Mil­liar­den Eu­ro gestie­gen ist. Das ist ein Plus von rund sieben Prozent und ein sich da­raus ergeben­der geschätzter Ge­sam­tum­satz der deutschen Fahr­rad-, Teile- und Kom­po­nen­tenin­dus­trie von 5,2 Mil­liar­den Eu­ro.

Um­satz­plus dank E-Bikes

Über zwei Drittel aller Fahrräder werden im Fachhandel gekauft
(Foto: © industrieblick – stock.adobe.com)
Über zwei Drit­tel aller Fahr­räder wer­den im Fach­han­del gekauft (Fo­to: © in­dus­trie­blick – stock.adobe.com)

Ge­sunkene Verkauf­szahlen, gestie­gen­er Um­satz? Wie ge­ht das denn? Ganz ein­fach. Der durch­sch­nittliche Verkauf­spreis pro Fahr­rad ist von 559 Eu­ro auf 643 Eu­ro angestie­gen, was zu­gleich ein In­diz dafür ist, dass zum ei­nen das Qual­itäts­be­wusst­sein der Kun­den noch stärk­er aus­geprägt und zum an­deren der E-Bike-Verkauf angewach­sen ist. Denn eines ist klar: Das E-Bike ist längst kein Nischen­pro­dukt mehr. 605.000 E-Bikes wur­den allein im ver­gan­ge­nen Jahr hi­erzu­lande verkauft. Das ent­spricht einem Plus von 13 Prozent. Von den mittler­weile 73 Mil­lio­nen Fahr­rädern, die in Deutsch­land genutzt wer­den, fahren aktuell mehr als drei Mil­lio­nen elek­trisch. Der Mark­tan­teil am Ge­samt­fahr­rad­markt ist so­gar auf 15 Prozent angestie­gen – und er soll laut ZIV-Schätzun­gen mit­tel­fristig auf rund 20 Prozent anwach­sen. Langfristig rech­net der ZIV mit einem An­teil am Ge­samt­fahr­rad­markt von bis zu 30 Prozent. Zu beacht­en ist dabei die Tat­sache, dass 99 Prozent aller verkauften E-Bikes Fahrzeuge mit ein­er Max­i­malgesch­windigkeit von 25 Kilome­tern pro Stunde und ein­er Nen­n­dauer­leis­tung des Mo­tors bis max­i­mal 250 Watt sind. Das restliche Prozent sind E-Bikes 45, sprich: sch­nelle E-Bikes, die ver­sicherungspflichtig sind und die aussch­ließlich mit Helm genutzt wer­den dür­fen.

Viele gute Gründe

E-Bikes sind voll im Aufschwung (Foto: © mmphoto – stock.adobe.com)
E-Bikes sind voll im Auf­sch­wung (Fo­to: © mm­pho­to – stock.adobe.com)


Den großen Zuwachs an E-Bikes erk­lären sich Ex­perten durch gleich mehrere Fak­toren. Da wäre u.a. das im­mer pop­ulär­er wer­dende Fahr­radleas­ing. Denn seit 2012 ist das Di­en­st­fahr­rad dem Di­enst­wa­gen gleichgestellt. Wenn die An­schaf­fungskosten vom Ar­beit­ge­ber über­nom­men wer­den, liegt die Ers­par­nis bei fast 100 Prozent. Ein­er pri­vat­en Nutzung ste­ht eben­falls nichts mehr im Wege, wenn der Angestellte ein Prozent des auf volle 100 Eu­ro abgerun­de­ten Kauf­preis­es zu seinem Brut­to­ge­halt als geld­w­erten Vorteil ver­s­teuert. Eben­falls verkaufs­fördernd wirkt sich die Viel­falt der Mod­elle und Pro­duk­tkat­e­gorien aus – auch bezüglich des De­signs. Damit wer­den die Ziel­grup­pen stetig jünger, was zu­gleich den E-Moun­tain­bike-Sek­tor im­mer stärk­er in den Vorder­grund rück­en lässt. Aktuell be­trägt sein An­teil am Verkauf von E-Bikes 15 Prozent. Spitzen­reit­er ist mit 45 Prozent der E-Ci­ty­bike-Sek­tor, ge­fol­gt vom E-Trekk­in­gräder-Sek­tor mit 35,5 Prozent. Bei den kon­ven­tionellen Fahr­rädern schaut das ein wenig an­ders aus. Hi­er bes­tim­men die Trekk­in­gräder mit 32 Prozent die Verkauf­szahlen. Auf Rang zwei fol­gen die Ci­tyräder mit 20 Prozent. Stetig an Be­deu­tung gewin­nt zu­dem das The­ma Las­ten- und Tran­s­port­fahr­räder.

Einzel­han­del kann punk­ten

Der Fachhandel hat kaum Grund zum Klagen (Foto: ©industrieblick– stock.adobe.com)
Der Fach­han­del hat kaum Grund zum Kla­gen (Fo­to: ©in­dus­trie­blick– stock.adobe.com)

Er­freulich für den Fach­han­del und den Fach­markt ist ihre Be­liebtheit in punc­to Ver­trieb­swege. Rund 69 Prozent der Kun­den bezie­hen ihr Zwei­rad aus ih­nen. Weit abgesch­la­gen mit 16 Prozent lie­gen die SB-Waren­häus­er und Baumärkte. Die In­ter­netbestel­lun­gen rangieren mit 15 Prozent auf Platz drei. Zeit­gleich kon­nte 2016 beim E-Bike-Ex­port ein Plus von 66 Prozent erzielt wer­den, was 233.000 Ein­heit­en ent­spricht. Ein weit­eres Zeichen dafür, dass die deutsche Fahr­radin­dus­trie weit­er­hin mit sehr guten Pro­duk­ten die Marke „Made in Ger­many“ un­ter­mauert. Die Zahl der Im­porte hat sich zu­dem von 2,91 auf 2,59 Mil­lio­nen ver­ringert. Weit­er­hin kom­men 23 Prozent der im­portierten Zweiräder aus Kam­bod­scha, 13 Prozent aus Bul­garien und Polen. Lediglich fünf Prozent der hi­erzu­lande verkauften Fahr­räder stam­men im Übri­gen aus den Nied­er­lan­den, in die wiederum 23 Prozent der in Deutsch­land pro­duzierten Zweiräder ex­portiert wer­den. Jet­zt muss nur noch die Sonne schei­nen und einem su­per Fahr­rad-Jahr ste­ht nichts mehr im Wege!
Mar­cel Som­mer | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017



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Mehr als 73 Millionen Fahrräder werden in Deutschland genutzt
(Foto: © zozzzzo – stock.adobe.com)
Mehr als 73 Millionen Fahrräder werden in Deutschland genutzt (Foto: © zozzzzo – stock.adobe.com)