Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Business

Mundgesundheit kontinuierlich verbessert

Mundhygiene und Zahnzustand der deutschen Bevölkerung werden immer besser, da es den Zahnärzten gelungen ist, das Bewusstsein für die prophylaktische Zahnpflege zu schärfen.

Durch regelmäßige Vor­sorge­un­ter­suchun­gen hat sich die Mundge­sund­heit der deutschen Bevölkerung im Ver­lauf der let­zten Jahre kont­inuier­lich verbessert. Das ist eine sehr pos­i­tive En­twick­lung und ein großer Er­folg der in Deutsch­land sehr gut struk­turi­erten zah­närztlichen Branche. „So er­hiel­ten ge­set­zlich Kranken­ver­sicherte (im Jahr 2014) nur noch 52,1 Mil­lio­nen Zah­n­fül­lun­gen. Dies ent­spricht einem Rück­gang um 2,9 Prozent im Ver­gleich zum Jahr 2013“, so die Kassen­zah­närztliche Bun­desvereini­gung (KZBV) in ihrem Statis­tischen Jahr­buch 2015. „Der langfristig zu verzeich­nende rück­läu­fige Trend bei Fül­lun­gen, der bere­its seit eini­gen Jahren so­wohl in West- als auch in Ost­deutsch­land festzustellen ist, hat sich somit auch im ver­gan­ge­nen Bericht­s­jahr fort­ge­set­zt.“ Ein Beispiel: Waren im Jahr 1983 noch 6,8 Zähne eines 12-jähri­gen west­deutschen Kin­des von Karies geschädigt, so war dies im Jahr 2009 statis­tisch ge­se­hen nur noch an 0,8 Zäh­nen der Fall. Mehr­ma­liges Zäh­neputzen am Tag, der Ge­brauch von Zahn­seide und gele­gentliche Mund­spülun­gen – ein wach­sen­des Be­wusst­sein der Bevölkerung zu mehr Zah­n­pro­fi­laxe ist der Grund. Dass sau­bere Zähne nicht nur op­tisch at­trak­tiv­er sind, son­dern eine bessere Mund­hy­giene auch deut­lich vor Zah­n­erkrankun­gen wie Karies und Par­o­don­ti­tis schützt, kann als all­ge­mein re­spek­tierte Erken­nt­nis gel­ten: Sau­bere Zähne sind das Fun­da­ment für er­fol­greiche Präven­tions­maß­nah­men.

Kostenüber­nahme un­ein­heitlich


In der Folge nutzen im­mer mehr Men­schen auch die Möglichkeit, beim Zah­narztbe­such eine „pro­fes­sionelle Zah­n­reini­gung“ (PZR) durch­führen zu lassen. „Eine gründliche PZR ist weit mehr als nur Kos­metik. Wis­sen­schaftliche Stu­di­en haben längst den er­he­blichen Nutzen bei der Präven­tion von Karies und Par­o­don­talerkrankun­gen belegt. Par­o­don­ti­tis ist bei Erwach­se­nen mittler­weile der Haupt­grund für den Ver­lust von Zäh­nen. Regelmäßige pro­fes­sionelle Zah­n­reini­gun­gen durch den Zah­narzt oder speziell geschultes Prax­is­per­so­n­al tra­gen bere­its er­he­blich zur Vermei­dung von Zahn­bet­terkrankun­gen bei“, sagt Dr. Wolf­gang Eßer, Vor­sitzen­der des Vor­s­tan­des der KZBV.
Um­so un­ver­ständlich­er ist es, dass es bei den ge­set­zlichen Krankenkassen keine ein­heitliche Regelung zur Kostenüber­nahme in die­sem Bereich gibt. Beim Ver­such, hi­er eine Über­sicht zu er­stellen, er­hielt die KZBV nur von rund 50 Prozent der im Jan­uar 2016 be­fragten 118 ge­set­zlichen Kranken­ver­sicherun­gen über­haupt eine Ant­wort. Ge­fragt wurde nach den Leis­tun­gen im Zusam­men­hang mit ein­er PZR, ob es bes­timmter Zusatzverträge oder Wahl­tar­ife be­darf, um in den Genuss der Leis­tun­gen zu kom­men und ob die Bezuschus­sung oder Kostenüber­nahme auf ver­traglichen Regelun­gen mit Kassen­zah­närztlichen Vereini­gun­gen basiert. Auch nach Ein­flüssen auf die Hon­orierungs­ges­tal­tung der Zah­närzte gemäß Ge­bührenord­nung wurde ge­fragt und ob mögliche Zuschüsse aussch­ließlich im Rah­men eines Bonus­pro­gramms geleis­tet wer­den. Die meis­ten der 63 ant­wor­ten­den Kassen gewähren ihren Ver­sicherten ei­nen di­rek­ten jähr­lichen Zuschuss zur PZR oder beteili­gen sich an den Kosten pro Ter­min. Einige Kos­ten­träger bi­eten Vergün­s­ti­gun­gen je­doch nur als Teil eines Bonus­pro­grammes oder als Se­lek­tivver­trag in Zusam­me­nar­beit mit aus­gewähl­ten Zah­närztin­nen und Zah­närzten an, wom­it die freie Wahl des Zah­narztes eingeschränkt ist. Es gibt aber auch Krankenkassen, die ihren Ver­sicherten auch die Wahl zwischen mehr­eren Zuschuss-Varian­ten lassen, so die KZBV.

Ho­he Zah­närzte­dichte

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (Foto: © KZBV / Baumann)
Dr. Wolf­gang Eßer, Vor­sitzen­der des Vor­s­tan­des der Kassen­zah­närztlichen Bun­desvereini­gung (Fo­to: © KZBV / Bau­mann)


Die Struk­tur der Zah­närzteschaft in Deutsch­land zeich­net sich durch ei­nen langsa­men, aber steti­gen Wan­del aus. Die Zahl der nied­erge­lasse­nen Ärzte nimmt seit 2006 kont­inuier­lich ab, ist aber nach wie vor die häu­fig­ste Er­werbs­form der Branche. Gleichzeitig stieg die Zahl der be­han­del­nd täti­gen Zah­närzte allmäh­lich an. Im Jahr 2014 waren ins­ge­samt 91.330 Zah­närztin­nen und Zah­närzte für die Ver­sor­gung von rund 81,2 Mil­lio­nen Men­schen zuständig. Damit ent­fielen auf je­den be­han­del­n­den Zah­narzt 1.148 Ein­woh­n­er – ein Wert, der noch nie zu­vor so ger­ing war. Hin­ter­grund dies­er En­twick­lung ist ein Trend, nach­dem die früher über­wie­gende Form der Einzel­praxis eines Zah­narztes rück­läu­fig ist und große Prax­en mit angestell­ten Zah­närzten sowie Ge­mein­schaft­sprax­en gleich­berechtigter Ärzte insbe­son­dere in den Großstädten das Bild der Branche zuneh­mend prä­gen. Fi­nanzielle Gründe spielen hier­bei die entschei­dende Rolle, denn die In­vesti­tion in das mod­erne, tech­nische Equip­ment ein­er Praxis ist insbe­son­dere für Beruf­san­fänger eine große Hürde beim Weg in die Selb­st­ständigkeit. Der Beitritt in eine „zah­närztliche Beruf­sausübungs­ge­mein­schaft“, so der Fach­be­griff, kostet junge Zah­närztin­nen und Zah­närzte im statis­tischen Durch­sch­nitt rund 281.000 Eu­ro. Bei der Über­nahme ein­er zah­närztlichen Einzel­praxis sind im Sch­nitt 323.000 Eu­ro zu zahlen, während das In­vest­ment in die Neu­grün­dung ein­er Einzel­praxis mit rund 422.000 Eu­ro zu bez­if­fern ist, berichtet die KZBV mit Bezug auf An­gaben des In­vest­Mon­i­tor der IDZ/Apobank. So vielfältig das tech­nische Equip­ment ein­er heuti­gen Zah­narzt­praxis, so un­ter­schiedlich sind auch die Berufs­bilder der hi­er täti­gen Men­schen. Neben den In­hab­ern, angestell­ten Zah­närzten und As­sis­tenz­zah­närzten ge­hören Zah­narzthelferin­nen, Auszu­bil­dende, Zah­n­tech­nik­er und son­stiges Per­so­n­al zum Team. Laut KZBV-Jahr­buch 2015 sind es im Sch­nitt 5,91 Beschäftigte pro Praxis, wobei die Zahl der un­ent­geltlich täti­gen Fam­i­lie­nange­höri­gen in den let­zten Jahren rück­läu­fig ist. Mit 67 Prozent bil­den die Zah­narzthelferin­nen die größte Beschäftigten­gruppe, wo­hinge­gen die angestell­ten Zah­närzte und As­sis­tenz­zah­närzte zu 4,2 Prozent sowie die Zah­n­tech­nik­er zu 3,7 Prozent zu den Prax­is­teams ge­hören. Wer die Zah­narzt­praxis seines Ver­trauens regelmäßig zwei­mal im Jahr zur Vor­sorge und PZR be­sucht und sich rechtzeitig über notwendige oder in­di­vi­du­ell sin­n­volle Zusat­zleis­tun­gen in­for­mieren lässt, der kann seine Zähne problem­los ge­sund er­hal­ten und braucht sich keine Ge­danken über teuren Zah­n­er­satz zu machen.
Em­rich Wels­ing I re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2016