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Mit dem Handicap leben lernen

Der Golfsport in Deutschland erfreut sich eines steten Wachstums. Noch nie waren so viele Golfer aktiv wie in diesem Jahr. Wir wagen einen kleinen Blick auf das perfekt gepflegte Grün.

Bild oben: (Foto: © sculpies – stock.adobe.com)
643.158 Mit­glied­er. Eine Zahl, die nicht nur auf den er­sten, son­dern auf je­den weit­eren Blick ei­nen or­dentlichen Ein­druck macht. Dass sich dahin­ter die Mit­glied­szahl des Deutschen Golf Ver­bands, kurz DGV ver­ber­gen, ist da­her für Nicht-Golfer kaum zu glauben. Wen das schon ver­wun­dert, wird bei der näch­sten Zahl noch größere Au­gen machen: Zusät­zlich dazu spielen fast eine Mil­lion Men­schen ohne fes­ten Golf­club. Hinzu kom­men allein in den ver­gan­ge­nen sechs Jahren über 4,5 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land, die in einem Sch­nup­perkurs mit dem Golf­s­port zum er­sten Mal in Kon­takt gekom­men sind. Da wun­dert es kaum, dass DGV-Präsi­dent Claus Kobold fest­stellt: „Es freut uns, dass so viele Men­schen in Deutsch­land unsere Spor­tart ausüben. Die Zahlen der Studie sind ein Be­leg für die gute Ar­beit der deutschen Golf­clubs und zei­gen außer­dem das große Po­ten­tial auf weit­eres Wach­s­tum unser­er Spor­tart.“
Ge­nauer ge­sagt sind seit 2010 ent­ge­gen des eu­ropäischen Trends – 6,4 Prozent Rück­gang – im sel­ben Zei­traum die Mit­glied­erzahlen im DGV um 4,9 Prozent angewach­sen. Bun­desweit sind 777.000 Men­schen in un­ter­schiedlichen For­men an Gol­fan­la­gen ge­bun­den. Allein im Ver­gleich zum Jahr 2015 ver­suchen aktuell rund 3.000 Spiel­er mehr, das kleine Runde in das et­was größere Runde zu put­ten. Und das natür­lich nicht in ir­gend­welchen Gärten, son­dern auf 732 Golf­plätzen in Deutsch­land. Allein in Nor­drhein-West­falen spielen 134.637 Golf­spiel­er auf 161 An­la­gen in 180 DGV-Clubs. 84.035 Män­n­er und 50.602 Frauen kämpfen auf 35 9-Loch-, 102 18-Loch- und 24 27-Loch-An­la­gen um die Verk­leinerung ihres Hand­i­caps.

Leichte Nach­wuchs­sor­gen

(Foto: © sculpies  – stock.adobe.com)
(Fo­to: © sculpies – stock.adobe.com)

Lediglich der Nach­wuchs sch­wächelt ein wenig. 43.953 Nach­wuchs­golfer bis 18 Jahre sch­la­gen in die­sem Jahr gen Fahne. Im Vor­jahr waren es noch 1.500 mehr. Zu Hochzeit­en in­n­er­halb der ver­gan­ge­nen zehn Jahre waren es zwischenzeitlich so­gar fast 9.000 mehr. Doch der Golf­s­port reagiert nicht nur, son­dern ver­sucht ak­tiv ge­gen die­sen Ab­wärt­strend im Bereich des Ju­gend-Golf­s­ports zu ar­beit­en. Mit Sch­nup­perkursen, Kin­der-Train­ings und Co. soll der Nach­wuchs in die Golf­clubs ge­holt wer­den. Dabei spielt es an­fänglich auch keine Rolle, ob die El­tern Club­mit­glied­er sind oder in ir­gen­dein­er Weise zur fi­nanziellen Elite ge­hören. Hi­er ste­ht das kindgerechte Train­ing mit den The­men Ball­ge­fühl und Ko­or­d­i­na­tion im Fokus. Das Be­son­dere am Golf­s­port ist ja bekan­n­ter­maßen, dass, an­ders als in vielen an­deren Spor­tarten, lediglich der Men­sch für sich selbst ve­r­ant­wortlich ist. Soll heißen: Kein vermei­dlich sch­lecht ge­laun­ter Schieds- oder auch nur Richter, kein Ti­er, was mal wied­er ein wenig herumz­ickt, son­dern lediglich die Form und das Ta­l­ent des Golf­spiel­ers selbst entschei­det über Ea­gle, Bo­gey, Birdie und Co. Und auch die Team­fähigkeit wird im als Einzel­s­port ver­schrie­nen Golf­s­port gestärkt. Denn eine Mann­schaft, ob Vol­ley­ball, Hock­ey, Sch­wim­men oder Golf, ist nur so stark wie ihr sch­wäch­stes Mit­glied. Und für die mo­ralische Un­ter­stützung und auch tech­nischen Hil­festel­lun­gen ist im­mer noch das ge­samte Team zur Stelle.

„In­for­ma­tio­nen aus er­ster Hand“

(Foto: © Nmedia  – stock.adobe.com)
(Fo­to: © Nme­dia – stock.adobe.com)


Der gern genutzte Mar­ket­ingsatz: „Golf­s­port ist Sport für je­den Geld­beutel“ soll da natür­lich zusät­zlich für ein wenig mehr In­teresse und den Ab­bau von Berührungsäng­sten sor­gen. Vor allem, weil die Fahrzeuge auf den Park­plätzen vor den Golf-Club­häusern so manch­es Mal eine völ­lig an­dere Sprache sprechen. Und ge­nau dies ist auch der Grund, warum so ver­hält­nis­mäßig wenige Men­schen den Kon­takt mit der Welt des Golf­s­ports suchen. Auch wenn er in punc­to Zugänge nach Fußball, Mod­ernem Fün­fkampf, Bas­ket­ball und Segeln auf dem fünften Platz der olympischen Spitzen­ver­bände im Deutschen Olympischen Sport­bund (DOSB) rangiert. Die Vorurteile bleiben: Zu teuer, zu spießig, zu zei­traubend. Wobei der er­ste und der let­zte Punkt sehr oft das­selbe mei­nen. Denn Zeit ist Geld. Und mal eben ein paar Stun­den am Stück aus dem nor­malen Leben her­aus­neh­men und über den Golf­platz laufen, kann nicht jed­er. Doch wer mal ein wenig über den Teller­rand der Vorurteils­suppe hin­wegsie­ht, wird fest­stellen, dass es zum ei­nen Hob­bies gibt, die wesentlich zei­trauben­der sind und zum an­deren in Summe teur­er. Das Za­u­ber­wort lautet hi­er: In­for­ma­tio­nen aus er­ster Hand, sprich den Golf­clubs, selbst ein­holen und nicht am Stammtisch.

Ge­lock­erte Dress­codes


Zum The­ma „zu spießig“ ist zu sa­gen: Es hat sich viel geän­dert in den ver­gan­ge­nen Jahrzeh­n­ten des Golf­s­ports. Na gut, Blue Jeans sind auch heute noch auf vielen Plätzen ein so­ge­nan­ntes „no go“. Doch sind die Zeit­en der Sch­lip­sträger auf den Golf­plätzen längst vorüber. Wer sich gar nicht zu ein­er Stoffhose durchrin­gen und auch die Golf­clu­bat­mo­sphäre nicht ausste­hen kann, aber den­noch dem Golf­s­port nicht in Gänze fern­bleiben möchte, dem ste­hen im­mer noch Ausweich­möglichkeit­en wie Swing-Golf zur Ver­fü­gung. Hi­er müssen auch nicht bis zu 14 Sch­läger in einem Golf­bag von Loch zu Loch ge­tra­gen wer­den. Hi­er reicht, ge­treu des hal­ben Mus­keti­er-Mot­tos: Ein­er für Alle. Neugierige wer­den an dies­er Stelle vielleicht wis­sen wollen, warum nur 14 Sch­läger pro Per­son genutzt wer­den dür­fen. Diese Regel ge­ht auf die 1930er Jahre zurück, in de­nen die ar­men Cad­dies bis zu 30 Sch­läger pro Golfer mitsch­lep­pen durften. Warum? Die Golf­spiel­er hat­ten Verträge mit den Golf­sch­läger-Her­stellern und beka­men pro Sch­läger, den sie auf dem Turni­er präsen­tierten, eine gewisse Werbe­summe – auch, wenn im­mer nur mit densel­ben acht oder ne­un Sch­lägern ge­spielt wurde. Das wurde den Cad­dies dann ir­gend­wann auch klar, und sie be­gan­nen eine kleine Re­volte mit dem Re­sul­tat, dass heute nur 14 noch Sch­läger pro Golfer mit­ge­führt wer­den dür­fen. Wer übri­gens ge­gen diese Regel ver­stößt, wird mit zwei Straf­sch­lä­gen pro Loch be­s­traft. Mar­cel Som­mer | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2017