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Business

Immer auf Achse

Die Branche der Logistik-, Post- und Expressdienste in Deutschland ist kunterbunt und sehr komplex – und sie steckt ununterbrochen in der Weiterentwicklung.

Wie viel ein Post­paket in­n­er­halb Deutsch­lands kostet, weiß fast jed­er, der in seinem Job mit Lo­gis­tik zu tun hat. An­ders ist es oft schon, wenn die ter­minierte Lie­fer­ung am sel­ben oder näch­sten Tag zugestellt wer­den soll. Auch mit den vielen An­bi­etern sind nur wenige ver­traut: DHL-Ex­press, große Di­en­stleis­ter wie UPS, DPD oder Fedex bzw. kleinere pri­vate Kuri­er- und Lo­gis­tik­di­en­ste fin­d­en sich auf dem Markt. Bleibt die Lie­fer­ung so­gar in dersel­ben Stadt, kom­men weitere Möglichkeit­en dazu. Schon lange bi­eten beispiel­sweise auch Fahr­rad­kuri­er­di­en­ste Lö­sun­gen für Pakete an, die früher aussch­ließlich per Au­to oder Tran­s­porter zugestellt wur­den. Ein DHL-Paket mit den Maßen 80 mal 10 mal 10 Zen­time­ter, das am näch­sten Tag spätestens um ne­un Uhr beim Empfänger sein soll, kostet bei zwei Kilo­gramm 42 Eu­ro. Ein Fahr­rad­kurierun­terneh­men kann das Paket – am sel­ben Tag – in­n­er­halb von Städten je nach Ent­fer­nung für fünf bis 25 Eu­ro zustellen. Vor 20 Jahren war der Kuri­erser­vice per Fahr­rad noch wenig etabliert und galt manchem als unser­iös. Heute sind diese Un­terneh­men in Großstädten sehr be­liebt – nicht nur we­gen ihr­er Sch­nel­ligkeit auf kurzen Dis­tanzen: Sie fördern ganz neben­bei noch das Im­age der beauf­tra­gen­den Fir­men als umwelt­be­wusst und mod­ern. Selbst rechtlich heik­le Tran­s­porte wie Gericht­sak­ten oder medizinische Güter wie OP-Gewe­beproben für La­bore kön­nen Fahr­rad­kuri­er­fir­men heute mit der ent­sprechen­den rechtlichen Vere­in­barung tran­s­portieren. Schon die­s­es Beispiel zeigt, wie in­ho­mo­gen und in ständi­ger En­twick­lung be­grif­f­en die Branche ist. Auch das In­ter­net hat den Sek­tor radikal umgekrem­pelt, nicht nur in punc­to sch­neller Rund-um-die-Uhr-Ver­füg­barkeit der Di­en­ste; durch die all­ge­meine Dig­i­tal­isierung sind viele Tran­s­porte wegge­fall­en – und neue ent­s­tan­den. Das ganze Brie­fwe­sen – das Brief­monopol der Post fiel 2007 – wurde durchei­nan­dergewir­belt, Da­ten­träger, früher ein Haupt­geschäft von Ex­press- und Kuri­er­di­en­sten, wer­den prak­tisch gar nicht mehr tran­s­portiert, da die Dat­en über das In­ter­net ge­sen­det wer­den. Durch die Möglichkeit, im On­line-Han­del einkaufen zu kön­nen, steigt die Zahl der Tran­s­porte je­doch mas­siv an.

Spedi­tion ver­sus Kuri­er- und Ex­press­di­enst

Wo liegt ei­gentlich der Un­ter­schied zwischen Spedi­tion und Kuri­er- oder Ex­press­di­enst? Meist wird als Un­ter­schei­dungskri­teri­um vor allem die Größe der Tran­s­port­güter ge­nan­nt. Kuri­er­di­en­ste be­fördern vor allem Güter, die noch rel­a­tiv ein­fach von einem Men­schen ge­tra­gen wer­den kön­nen. Ein wichtiger struk­tureller Un­ter­schied: Ein Kuri­er­di­enst sam­melt nicht wie ein Ex­press- oder Paket­di­enst Sen­dun­gen be­nach­barter Ab­sen­der und bringt sie mit fes­tem Fahr­plan zusam­men zu Empfängern in dersel­ben Re­gion. Er fährt meist exk­lu­siv und di­rekt beide Sta­tio­nen an; ein Kuri­er be­gleit­et eine Sen­dung meist von Über­gabe bis Aus­lie­fer­ung. Die In­ho­mo­genität spiegelt sich auch in der Ver­bandsstruk­tur wider; mehrere kleine und große Ver­bände teilen sich den Branchenkuchen auf – aber auf un­ter­schiedlichen Ebe­nen hin­sichtlich des Ein­satzbereichs. Der Bd­KEP oder auch BdK, Bun­desver­band der Kuri­er-Ex­press-Post­di­en­ste, ver­tritt vor allem den Klein- und Mit­tel­s­tand in der Branche. Der BIEK, Bun­desver­band Paket und Ex­press­l­o­gis­tik, sie­ht sich in er­ster Linie als Sprech­er der großen in­ter­na­tio­n­al täti­gen Ser­vices. Der BVL, Bun­desvereini­gung Lo­gis­tik, sie­ht sich weniger als In­teressen­vertreter, son­dern eher als Platt­form für den Trans­fer zwischen Wis­sen­schaft und Wirtschaft des Tran­s­portwe­sens.

Wichtige The­men

Der Online-Handel sorgt für eine gute Auftragslage der Zustelldienste
Der On­line-Han­del sorgt für eine gute Auf­trags­lage der Zustell­di­en­ste

Die Fachzeitschriften der Lo­gis­tik­branche of­fen­baren ein wichtiges The­ma: Die Branche ist viel mit dem ehe­ma­li­gen staatlichen Mo­nop­o­lis­ten beschäftigt. Man spricht beispiel­sweise über mögliche Wett­be­werbsverz­er­run­gen durch Sub­ven­tio­nen für die Deutsche Post oder ihr Um­satzs­teuer­priv­i­leg. 2010 wurde die­s­es zwar staatlich eingeschränkt, für Paket und Stan­dard­brief fällt aber nach wie vor keine Um­satzs­teuer an. Umwelt- und Verkehrs­be­las­tung sind eben­falls The­men, de­nen sich die Branche stellen muss. In den Zeitschriften wie et­wa der „KEP aktuel­l“ oder „trans aktuel­l“ ge­ht es neben Fahrzeugtests und Anal­y­sen über die zukünftige Verkehrsen­twick­lung auch um die Zukunft der Tran­s­port-Mo­bil­ität. Die wird sich im­mer mehr auf dem elek­trisch un­ter­stützten Las­ten­fahr­rad ab­spielen. Und zwar nicht nur, wenn es um den klas­sischen Fahr­rad­kuri­er ge­ht; auch große Paket­di­en­ste wie GLS vermel­den zuneh­mend Er­folge mit die­sen Fahrzeu­gen – ein weit­er­er The­men­sch­w­er­punkt, der die Kuri­er­welt beschäftigt. Wie sehr die Branche am All­t­ags­gesche­hen teil­hat, merkt man auch an De­bat­ten darüber, ob und wie Mi­gran­ten hi­er als Ar­beit­skräfte einge­set­zt wer­den kön­nen.

Sta­tus quo der KEP-Branche

Das ehemalige Monopol der Deutschen Post beschäftigt die Branche noch heute
Das ehe­ma­lige Monopol der Deutschen Post beschäftigt die Branche noch heute

Die KEP-Branche – „KEP“ ste­ht für „Kuri­er, Ex­press, Paket“ – boomt, und so wird es nach Ex­perten­mei­n­ung auch in na­her Zukunft weit­erge­hen. Der Peak des On­line-Han­dels ist noch lange nicht er­reicht, hi­er rech­net man im End­kun­den-Busi­ness im­mer noch mit Zuwachs. Dass sich die Er­fol­gs­pa­ram­e­ter dabei än­dern wer­den – z.B. eben mit ver­stärk­tem Ein­satz von ökol­o­gisch unbe­den­k­lichen und weniger Verkehrs­fläche bean­spruchen­den Fahrzeu­gen –, scheint schon jet­zt außer Frage. An­pas­sung an neue Gegeben­heit­en haben der KEP-Branche bis­lang keine großen Sch­wierigkeit­en bereit­et. So ging es im let­zten Jahr noch ein­mal steil ber­gauf. Laut „Lo­gis­tik heute“ ge­ht es der KEP-Branche, gemessen am Um­satz, sehr gut: 2,95 Mil­liar­den Pakete wur­den im Jahr 2015 in Deutsch­land ver­schickt, das waren 4,9 Prozent mehr als 2014. Sie er­gaben ei­nen Ge­sam­tum­satz von 17,4 Mil­liar­den Eu­ro in 2015. Den größten Zuwachs (10,4 Prozent) steuerten dabei B2C-Sen­dun­gen bei. 414.000 Men­schen waren 2015 in der Branche beschäftigt – das sind Zahlen aus ein­er Statis­tik des BIEK. Dem­nach kon­nte sich der Zuwachs auch auf die Beschäftigten­zahlen auswirken: Rund 209.400 Men­schen waren im KEP-Sek­tor beschäftigt, 5,9 Prozent mehr als im Jahr 2014. Ein­er der Gründe für den Zuwachs ist: Der On­line-Han­del boomt, mit ihm der Tran­s­port­sek­tor und die Kurier­branche. Bis auf Weit­eres.

Karin Bün­nagel | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 01/2017