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Hohe Präzision auf große Entfernung

Nicht nur für Karten: Vermessungstechniker sammeln Geodaten u.a. fürs Katasteramt, für Navigationsgeräte und sogar für die Forensik.

Bild oben: Der Vermessungstechniker mit dem Theodolit
Man sie­ht sie mit ihrem Theo­dolit auf der Straße, auf Baustellen: Geodäten bzw. Vermes­sung­stech­nik­er. Sie messen alles, was sich in Zahlen fassen lässt. Mithilfe des Theo­dol­its messen sie hor­i­zon­tale Rich­tun­gen sowie Zenit- und Ver­tikal­winkel. Auch beim läng­sten Eisen­bah­n­tun­nel-Pro­jekt der Welt waren Geodäten am Werk, um die un­terirdischen Ko­or­d­i­nat­en des 57 Kilome­ter lan­gen Got­thard-Ba­sis­tun­nels, der das italienische Tessin mit dem Sch­weiz­er Kan­ton Uri verbin­det, zu er­mit­teln. Ob Land­karten oder das ge­naue Grund­stück-Pro­fil – Länge, Breite und Höhen­ver­lauf eines Ge­bi­ets ex­akt zu vermessen und festzuhal­ten, um auf die­sen Dat­en auf­bauend eine Karte zu zeich­nen, das ist die Auf­gabe von Vermes­sung­stech­nik­ern. Auch die Routen­pla­nung im In­ter­net oder über Navi­ga­tions­geräte fußt auf der Ar­beit dies­er Ex­perten.

Kar­ri­erewege

Der Vermessungstechniker mit dem Theodolit
Der Vermes­sung­stech­nik­er mit dem Theo­dolit
Der Beruf des Vermes­sungsin­ge­nieurs zählt zu den In­ge­nieur­swis­sen­schaften. Der Vermes­sung­stech­nik­er ist ein Aus­bil­dungs­beruf. Eine Spezial­isierung liegt in der Fachrich­tung Bergvermes­sung vor, hi­er doku­men­tiert der Vermes­sung­stech­nik­er darüber hi­naus das Vorkom­men von Roh­stof­fen und die ge­ol­o­gischen Gegeben­heit­en vor Ort. Vermes­sung­stech­nik­er ar­beit­en in In­ge­nieur- oder Vermes­sungs­büros, in der Bauwirtschaft, aber auch in Land­schaftsvermes­sungsämtern, kom­mu­nalen Ka­tasterämtern, in Be­hör­den für Geoin­for­ma­tion und Lan­den­twick­lung sowie in Lie­gen­schaften und Berg­baube­hör­den. Der Ar­beit­s­platz ist so­wohl draußen im Gelände und auf der Straße – selbst un­ter wi­dri­gen Wet­terbe­din­gun­gen – als auch drin­nen am Com­put­er. Wer ein Studi­um in der Rich­tung ab­solviert hat, trägt den Ti­tel des Vermes­sungsin­ge­nieurs. Öf­fentlich bestellte Vermes­sungsin­ge­nieure überneh­men ho­heitliche Tätigkeit­en, die dem öf­fentlichen Vermes­sungswe­sen un­ter­ste­hen: Lie­gen­schaftsvermes­sun­gen wie Ge­bäudeeinmes­sung durch­führen, Ein­sicht in das Lie­gen­schaft­ska­taster geben und Auszüge da­raus erteilen, öf­fentliche Beglau­bi­gung von An­trä­gen auf Vereini­gung oder Teilung von Grund­stück­en sowie Beurkun­dung von Tatbestän­den, die sie auf­grund von vermes­sung­stech­nisch­er Er­mittlun­gen am Grund und Bo­den fest­gestellt haben, mit öf­fentlichem Glauben. Darüber hi­naus ar­beit­en sie als Sachver­ständige in Sachen Vermes­sung­stech­nik. Für die Branche rel­e­vant sind vor allem drei Geodäsie-Ver­bände: BD­VI, Bund der Öf­fentlich bestell­ten Vermes­sungsin­ge­nieure, DVW – Ge­sellschaft für Geodäsie, Geoin­for­ma­tion und Land­ma­n­age­ment und der VDV, Ver­band Deutsch­er Vermes­sungsin­ge­nieure. Zusam­me­nad­diert haben die Ver­bände rund 15.000 Mit­glied­er. Auf der jähr­lich stattfin­d­en­den In­ter­geo, der Leitmesse für Geodäsie in Es­sen, haben vor drei Jahren diese drei eine Al­lianz als In­teressens­ge­mein­schaft Geodäsie geschlossen. Ge­mein­sam treten die Ver­bände ge­genüber Pol­i­tik und Ge­sellschaft auf. Auch hin­sichtlich des Fachkräfte­man­gels agieren die drei Ver­bände mit vere­in­ten Kräften. Das Bun­des­min­is­teri­um für Wirtschaft und En­ergie stuft den Beruf des Vermes­sungsin­ge­nieurs als En­g­pass­beruf ein. Das be­deutet: Auf jede gemeldete freie Stelle gibt es noch nicht mal mehr ei­nen einzi­gen Be­wer­ber. Darüber hi­naus sind die Be­wer­bun­gen auch oft­mals fach­fremd. Dabei gibt es laut Dr.-Ing. Jens Rieck­en, Vizepräsi­dent des DVW, aus­reichend The­men­felder, für die das Know-how der Vermes­sung­s­ex­perten benötigt wird: Kli­mawan­del, En­ergiewende, Mod­er­nisierung der In­fras­truk­tur sowie Be­wäl­ti­gung der Mi­gra­tions­be­we­gun­gen. Beispiel­sweise En­ergiewende: Die Geo­dat­en, die hi­er­für benötigt wer­den, lassen sich an ver­schie­de­nen Ar­beits­bereichen der Vermes­sung­stech­nik­er fest­machen: Wo kann geother­mische En­ergie genutzt wer­den? Welche Areale eig­nen sich in­n­er­halb ein­er Kom­mune zur Gewin­nung von Win­den­ergie, welche Dach­flächen zur Gewin­nung von So­laren­ergie? Wem ge­hören die Flächen, die sich nutzen lassen? Die Ant­worten auf diese Fra­gen lie­fern eine ob­jek­tive Entschei­dungs­grund­lage, auf der die En­ergiewende vol­l­zo­gen wer­den kann.

Geo­dat­en so­gar für den Ta­tort

Dipl.-Ing. Michael Zurhorst, BDVI-Präsident
Di­pl.-Ing. Michael Zurhorst, BD­VI-Präsi­dent

Geo­dat­en wer­den nicht nur vor dem ei­gentlichen Bau­vorhaben benötigt, son­dern auch nach Vol­len­dung. Überwachungsmes­sun­gen geben Auskunft, ob ein Bauw­erk wie beispiel­sweise Brück­en, In­dus­triean­la­gen oder auch natür­liche Ob­jekte wie Hänge und Gletsch­er sich im Laufe der Zeit ver­schieben oder verän­dern. Denn da­raus kön­nen ho­he Sicher­heit­s­risiken ent­ste­hen, de­nen man frühzeitig begeg­nen sollte. Doch auch bei der Mi­et­fläch­en­er­mittlung sind Vermes­sungsin­ge­nieure ge­fragt. So darf bei ein­er Mi­eter­höhung nur die tat­säch­liche Mi­et­fläche rel­e­vant sein. So­gar dann, wenn die tat­säch­liche Qua­drat­me­terzahl von der im Mi­etver­trag fest­ge­hal­te­nen Fläche ab­weicht. Und so­gar, wenn die tat­säch­liche Mi­et­fläche noch un­ter­halb der bish­eri­gen Tol­er­anz­grenze von zehn Prozent liegt. „Wer die ge­naue Größe sein­er Woh­nung nicht ken­nt, ver­schenkt möglicher­weise je­den Mo­nat bares Geld. Eine präzise Bes­tim­mung der tat­säch­lichen Mi­et­fläche kann sich rech­nen“, sagt Hans Ul­rich Esch, Vizepräsi­dent des BD­VI. Ein Ex­perte kann nicht nur die ex­akte Fläche er­mit­teln, seine Aus­sa­gen haben – für den Fall, dass es zu kein­er Eini­gung zwischen den Parteien kommt – vor Gericht eine stärkere Aus­sagekraft als die von Laien. Die Ex­perten messen die Mi­et­fläche mit­tels eines wis­sen­schaftlich-tech­nischen Ver­fahrens und berück­sichti­gen darüber hi­naus die rel­e­van­ten rechtlichen Vorsch­läge auf Grund­lage der Woh­n­flächen­verord­nung. Das Ergeb­nis der Mes­sung wird schriftlich doku­men­tiert und dem Auf­tragge­ber übergeben. Selbst in der Foren­sik wird die Vermes­sung­stech­nik er­fol­greich einge­set­zt, um beispiel­sweise den Ta­tort zu rekon­struieren. Mit­tels Laser­s­can­n­er kann die Pol­izei Ge­waltver­brechen oder ei­nen Verkehr­sun­fall rekon­struieren. Und vor allem: Der Ta­tort selbst bleibt un­ter Ein­satz dies­er Mess­meth­ode un­verän­dert. Am Rech­n­er kann der Tather­gang oder Un­fall von den Krim­i­nal­is­ten dann nachvol­l­zo­gen wer­den.

Messpunkte sind Ausgangs- und Zielpunkte für die Ermittlung von Geodaten
Messpunkte sind Aus­gangs- und Zielpunkte für die Er­mittlung von Geo­dat­en

Karin Bün­nagel | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 01/2017