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Frühzeitig über All-IP-Umstellung nachdenken

Oberste Priorität: die Sicherheit der neuen Telefonanlage.

Bild oben: (Foto: ©XBrian Jackson_stock.adobe.com)
Das erst junge Zei­tal­ter der ISDN-Tele­fo­nan­la­gen neigt sich dem Ende zu – 20 Jahre nach der voll­ständi­gen Ein­führung der Tech­nik ist sie schon wied­er über­holt. Das neue Za­u­ber­wort heißt Voice over In­ter­net Pro­to­col (VoIP) oder ALL-IP: Tele­fonieren über das In­ter­net. Waren In­ter­net und Tele­fonie bis­lang ge­tren­nte Sys­teme, ver­sch­melzen sie nun. Die Sprach­in­for­ma­tio­nen wick­eln die Netz­be­treiber künftig über die In­ter­netlei­tung im IP-Net­zw­erk ab. Das spart Kosten für die Be­treiber, denn das klas­sische Tele­fon­netz fällt weg. Die Telekom als größter Netz­be­treiber hat sich ein ehrgeiziges Ziel ge­set­zt: Bis Ende 2018 will sie dig­i­tale IP-Tech­nolo­gie einge­führt haben. An­dere An­bi­eter lassen sich bis 2022 Zeit. Eine Ableh­nung der Um­stel­lung durch die Kun­den se­hen Telekom und Co. nicht vor. Nach An­gaben der Telekom ste­hen nach der Um­stel­lung mehr Res­sour­cen zur Ver­fü­gung, insbe­son­dere bei den Bre­it­band­verbin­dun­gen. Bis­lang bele­gen die analo­gen Tele­fone ei­nen Teil der Ka­bel­band­breite. Mit dem Weg­fall dies­er Bele­gung werde der Da­ten­tran­s­port im In­ter­net sch­neller, wenn der Router auf dem neusten Stand ist.

„Auf die Kun­den kom­men zahl­reiche Än­derun­gen zu“, weiß Heinz Hoos vom Deutschen Ver­band für Post, In­for­ma­tion­stech­nolo­gie und Telekom­mu­nika­tion (DVPT). „In Un­terneh­men sind fast im­mer kom­plexe TK-An­la­gen im Ein­satz. Über sie ver­netzen die Un­terneh­men ver­schie­dene Stan­dorte und ver­fü­gen über große Rufnum­mern­pläne mit den ent­sprechen­den Durch­wahlen, die nicht eins zu eins durch ei­nen ALL-IP-An­sch­luss erset­zt wer­den kön­nen. Außer­dem kön­nen Verknüp­fun­gen mit an­deren Netzen und dem ISDN be­trof­fen sein.“ Und einige weitere Tück­en kom­men auf die Kun­den zu: Viele alte TK-An­la­gen sind nicht kom­pat­i­bel mit der dig­i­tal­en Neuerung. „Die Tele­fo­nan­la­gen­her­steller bi­eten schon seit Län­gerem Hy­bri­dan­la­gen oder reine All-IP-An­la­gen an. Sie haben die En­twick­lung ge­nau beobachtet und sich auf das neue Sys­tem vor­bereit­et.“

Aus­fall­sicher­heit garan­tieren

(Foto: ©XBrian Jackson_stock.adobe.com)
(Fo­to: ©XBrian Jack­son_stock.adobe.com)

Doch damit nicht genug. Im al­ten Sys­tem lag die Stromver­sor­gung des Tele­fons beim Netz­be­treiber. Fiel al­so ein örtlich­es Strom­netz aus, war das Tele­fonieren davon nicht be­trof­fen. Mit All-IP ver­ab­schie­den sich die Netz­be­treiber von die­sem Ser­vice. Fällt der Strom aus, ist die Kom­mu­nika­tion im be­trof­fe­nen Ge­bi­et lah­mgelegt, die sichere Stromver­sor­gung der TK-An­lage liegt nun beim Kun­den. Um in die­sem Fall die Funk­tions­fähigkeit aufrechtzuer­hal­ten, emp­fiehlt sich, in die Gerätekom­bi­na­tio­nen Akkus zu in­te­gri­eren. Ent­sprechende Geräte sind am Markt – die Kosten trägt der Nutz­er. Die Telekom rät: „Wer sich ge­gen die­sen Fall ab­sich­ern möchte, kann Router und Endgerät auf ei­gene Kosten mit ein­er un­ter­brechungs­freien Stromver­sor­gung (USV) ergänzen.“ Je länger eine USV ei­nen Stro­maus­fall aus­gleichen soll, des­to teur­er wird sie. Wer auf das Tele­fon angewie­sen ist, sollte da­rauf acht­en, dass sein Handy im­mer aufge­la­den ist. Auf der Net­z­seite sorge die Deutsche Telekom „ihr­er­seits mit Not­stromver­sor­gun­gen oder im Fall von Ser­vicear­beit­en mit mo­bilen Bat­terie-Kof­fern dafür, dass das Netz be­triebs­bere­it bleibt.“ Un­ter­schiedliche An­sicht­en gibt es über die Qual­ität der Tele­fonge­spräche. Während bere­its umgestellte pri­vate Nutz­er Qual­itätsver­sch­lechterun­gen bek­la­gen, se­hen die An­bi­eter dies ganz an­ders und ver­sprechen eine deut­lich höhere Qual­ität. „High Def­i­ni­tion Voice", kurz HD Voice, funk­tioniert aber nur, „wenn beide Ge­spräch­steil­neh­mer über ei­nen IP-An­sch­luss und HD-Voice-taugliche Endgeräte ver­fü­gen“, heißt es bei der Telekom. Proble­ma­tisch wird es bei der Nutzung von Haus­rufnot­sys­te­men, die nur funk­tionieren, wenn sie über eine In­ter­netverbin­dung ange­bun­den sind. Das gilt be­d­ingt auch für Alarm- und Brand­meldean­la­gen. Geräte der Klasse „VdS Home“ kön­nen an All-IP angeschlossen wer­den. An­la­gen der VdS-Klassen A, B oder C er­fordern hinge­gen eine neue Lö­sung, die in je­dem Fall über eine ständige Span­nungsver­sor­gung ver­fü­gen muss. Elec­tron­ic-Cash-Ter­mi­nals kön­nen, so sie über eine In­ter­netverbin­dung ver­fü­gen, weit­er be­trieben oder al­ter­na­tiv über Mo­bil­funk ange­bun­den wer­den. ISDN-basierte Aufzug­not­sys­teme müssen ge­gen an­dere Lö­sun­gen aus­ge­tauscht wer­den – in der Regel läuft es dabei auf eine Mo­bil­fun­k­lö­sung hi­naus, die in­zwischen alle An­bi­eter im Pro­gramm haben. Aus­nahme sind Sys­teme mit einem analo­gen An­sch­luss. Für sie beste­ht noch kein Hand­lungsbe­darf. Münztele­fone, die die Kassierung sel­ber steuern kön­nen (zeit­basierte Ei­gen­tar­i­fierung), sind nicht be­trof­fen. Benöti­gen sie aber eine Tar­ifin­for­ma­tion aus dem Netz, funk­tionieren sie mit einem IP-basierten An­sch­luss nicht mehr. Auch die Por­toau­fla­dung von Frankier­maschi­nen, Kopier­er­funk­tio­nen, Datenüber­tra­gung via Mo­dem, in­ter­ak­tive Ton­wahlsig­nale, Fer­nanzeige, Zäh­ler­able­sun­gen, Fern­be­treu­un­gen von An­la­gen, Pegel­s­tandüber­mittlun­gen, Zeit­er­fas­sungssys­teme und Über­tra­gung von Dat­en aus Großküchengeräten soll­ten die Be­treiber auf ihre All-IP-Fähigkeit über­prüfen.

IT-Se­cu­ri­ty für’s Tele­fon


Mit der Ein­führung von All-IP tele­foniert der Kunde über die gleiche Lei­tung, mit der er ins In­ter­net ge­ht (Aus­nahme: Telekom). Für Hack­er ergeben sich ganz neue Möglichkeit­en, via Tele­fo­nan­lage in das Net­zw­erk eines Un­terneh­mens einzu­drin­gen. Wie beim In­ter­net lie­gen der Schutz des Net­zw­erkes und die da­durch ent­ste­hen­den Zusatzkosten beim Kun­den. Und in punc­to Sicher­heit sollte nicht ges­part wer­den, empfehlen die Ex­perten. „Ob das alles durch die dann neuen Tar­ife gün­stiger wird, hängt von der jew­eili­gen Nutzung ab“, sagt der Ver­band­s­ex­perte Hoos. In je­dem Fall steige die Flex­i­bil­ität, wenn zusät­zliche An­sch­lüsse oder Di­en­ste nötig wer­den. „In punc­to Über­sichtlichkeit der Kosten wird es kom­pl­iziert­er“, meint Hoos. Bei der Wahl der Tar­ife gelte es ge­nau aufzu­passen, eben­so wie bei der An­schaf­fung neuer Tech­nik oder die Aus­lagerung in eine Cloud, die eben­falls am Markt ange­boten wird. „Eines ist in je­dem Fall sich­er: Die neue An­lage wird sehr viel kom­pl­iziert­er. Wir rat­en, sich frühzeitig von einem Ex­perten be­r­at­en zu lassen, wenn ei­genes Per­so­n­al dafür fehlt. Denn die Um­stel­lung be­darf ein­er gründlichen Vor­bere­i­tung“, erk­lärt Hoos. Dirk Heuer | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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