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Experten für das „notwendige Übel“

Während Steuerberater neben den klassischen Vorbehaltsaufgaben zunehmend betriebswirtschaftliche Beratung anbieten, diskutieren Wirtschaftsprüfer kontrovers über zukünftige Regelungen.

„Geld ist et­was, was nur kurz in dein­er Tasche halt­macht – auf dem Weg zum Fi­nan­zamt“, so sagt der Volks­mund. Wie viele Eu­ros der Fiskus let­z­tendlich kassiert, ist bei einem im­mer kom­plex­er wer­den­den Steuer­recht für den Laien aber nur sch­w­er­lich zu durch­schauen. Den­noch ge­hen im­mer mehr Men­schen dazu über, Auf­gaben eines Steuer­ber­aters mithilfe von Com­put­er­pro­gram­men selbst zu lösen. „Klas­sische Vor­be­halt­sauf­gaben wie die Er­stel­lung von Steuer­erk­lärun­gen machen derzeit noch den Großteil der Ar­beit aus, allerd­ings sind diese so­ge­nan­n­ten Dek­la­ra­tions­ber­a­tun­gen eher rück­läu­fig, weil die Elek­tronik im­mer weit­er vo­ran­schreit­et“, erk­lärt Franz Plank­er­mann, Vor­s­tandsvor­sitzen­der des Steuer­ber­ater­ver­ban­des Düs­sel­dorf e.V. „Es gibt näm­lich im­mer mehr EDV-affine Steuer­bürg­er, die keine Angst mehr da­vor, sich vor den PC zu setzen, um eine Steuer­erk­lärung zu machen.“ Den­noch steigt die Zahl der Steuer­ber­ater stetig an; die Branche gilt als krisen­sich­er. Das liegt vor allem daran, dass sich Steuer-be­r­ater heute um eine ganze Rei­he weit­er­er Auf­gaben küm­mern: Das Er­stellen von Jahres­ab­sch­lüssen ge­hört eben­so dazu wie die be­trieb­swirtschaftliche Be­r­a­tung der Man­dan­ten. „Der Beruf ist vor allem de­shalb so in­teres­sant, weil er de­rart vielfältig ist und weil man im Laufe sein­er Kar­riere eine Vielzahl von Men­schen mit ganz un­ter­schiedlichen Per­sön­lichkeit­en ken­nen­lernt, die in den ver­schie­den­sten Berufs­feldern tätig sind“, sagt Plank­er­mann. Doch ge­nau das ver­langt den Prax­en auch einiges ab. Im­mer­hin er­warten im­mer mehr Man­dan­ten von ihren Kan­zleien ei­nen Run­dum-Ser­vice, der nicht nur den Bereich der Steuer­ber­a­tung ab­deckt. Nicht ohne Grund wächst die Zahl der Part­n­erge­sellschaften stetig an: Laut Bun­dess­teuer­ber­aterkam­mer er­höhte sich ihre Zahl im ver­gan­ge­nen Jahr um 2,3 Prozent auf 9.243. Zum Ver­gleich: Vor zehn Jahren waren es noch 6.932.

Tot­ge­sagte leben länger


Das heißt aber nicht, dass die Einzelkämpfer in na­her Zukunft ver­sch­win­den wer­den: „Sie wer­den zwar im­mer tot­ge­sagt, aber: Tot­ge­sagte leben sch­ließlich länger“, fährt Plank­er­mann fort. „Den­noch muss man fes­thal­ten, dass die wirtschaftliche Be­deu­tung von Einzel­prax­en ab­n­immt, weil sie zum ei­nen das um­fassende Wis­sen nicht mehr an­bi­eten kön­nen und weil die Man­dat­en mehr Be­r­a­tung aus ein­er Hand haben wollen – und das kön­nen nur größere Ein­heit bi­eten.“ Aus die­sem Grund holen sich im­mer mehr Steuer­ber­ater-Prax­en Kol­le­gen aus an­deren Berufs­feldern wie beispiel­sweise Recht­san­wälte oder Notare ins Haus. Die Dig­i­tal­isierung hat aber auch in an­der­er Form Ein­fluss auf die Branche: In vielen Kan­zleien wird bere­its mit der dig­i­tal­en Beleger­fas­sung gear­beit­et, so­dass der Man­dant auch seine Buch­führung zuneh­mend sel­ber erar­beit­et. „De­shalb wer­den ver­mut­lich auch diese Auf­gaben, die heute ein Großteil der Steuer­ber­ater noch übern­immt, in Zukunft ab­neh­men.“ Und den­noch wollen oder kön­nen die meis­ten Un­terneh­men nicht auf ei­nen Steuer­ber­ater verzicht­en – teil­weise aus op­por­tu­nis­tischen Grün­den. „Die Frage ist: Be­spreche ich meine Steueran­gele­gen­heit­en mit je­man­dem, der auf dem neuesten Stand ist, oder beschäftige ich mich vi­er Woch­e­nen­den selbst damit und bin dann im­mer noch nicht sich­er, ob alles ko­r­rekt ist?“ Bei der Suche nach dem richti­gen Steuer­ber­ater zählt aber nicht nur fach­liche Kom­pe­tenz: „Be­son­ders wichtig ist, dass man Lust hat, sich mit ihm zu un­ter­hal­ten, sch­ließlich set­zt die Steuer­ber­a­tung ein enormes Ver­trauensver­hält­nis vo­raus und der Man­dant muss bere­it sein, auch seine größten Ge­heim­nisse of­fen­zule­gen. Wenn man mit dem Steuer­ber­ater nicht gerne spricht, dann kann das nicht funk­tionieren“, gibt Plank­er­mann zu be­denken.

WP-Branche vier­geteilt

Michael Gschrei, Sprecher des geschäftsführenden Vorstands von wp.net e.V. – Verband für die mittelständische Wirtschaftsprüfung
Michael Gschrei, Sprech­er des geschäfts­führen­den Vor­s­tands von wp.net e.V. – Ver­band für die mit­tel­ständische Wirtschaft­sprü­fung


Mit dem The­ma Steuern beschäfti­gen sich auch Wirtschaft­sprüfer (WP), deren Branche je­doch an­ders aufgestellt ist. Man un­terteilt sie in vi­er Grup­pen: die Big4, die zehn großen Net­zw­erke mit in­ter­na­tio­naler Aus­rich­tung, die größeren und mittleren Prax­en, die noch ge­set­zliche Ab­sch­lussprü­fun­gen und auch einige kleine Börsen­prü­fun­gen durch­führen, sowie die klei­nen Prax­en und Einzel­prax­en, die keine ge­set­zlichen Prü­fun­gen machen. „Der Prüfer­markt für Börse­nun­terneh­men hat seit der Ein­führung der Reg­ulierung 2007 von 180 auf 80 Prüfer abgenom­men“, erk­lärt Michael Gschrei, Sprech­er des geschäfts­führen­den Vor­s­tands von wp.net e.V. – Ver­band für die mit­tel­ständische Wirtschaft­sprü­fung. „Grund ist die un­ver­hält­nis­mäßige Überwachung und die Durch­führung der Auf­sicht über die mit­tel­ständische Wirtschaft­sprü­fung, die durch ehe­ma­lige Big4-Wirtschaft­sprüfer vorgenom­men wird.“ Seit Inkraft­treten des Beruf­sauf­sicht­s­re­for­mge­setzes 2007 führt die Wirtschaft­sprüfer­kam­mer und seit April 2012 die Ab­sch­lussprüfer­auf­sicht­skom­mis­sion näm­lich so­ge­nan­nte „An­las­sun­ab­hängige Son­derun­ter­suchun­gen“ bei Beruf­sange­höri­gen und Berufs­ge­sellschaften durch, die Prü­fungs­man­date bei Un­terneh­men von öf­fentlichem In­teresse haben. Rund 96 Prozent der Ge­samter­löse aus der Prü­fung börsen­rel­e­van­ter Un­terneh­men ent­fall­en übri­gens auf die fünf größten An­bi­eter. „Die Big4 und die großen Net­zw­erke sind über­all tätig, so­wohl im Bereich der Prü­fung als auch in sämtlichen Be­r­a­tungs­feldern“, sagt Gschrei. „Durch weltweite Net­zw­erk­part­n­er kön­nen die Big4 auch die ag­gres­sive LuxLeaks-Be­r­a­tung machen. Die übri­gen WPs/StB sind – zu einem gerin­gen Teil – in der Prü­fung sowie in der steuer­lichen und be­trieb­swirtschaftlichen Be­r­a­tung ak­tiv.“ Dabei hat sich das Bild des Berufs­s­tan­des in der öf­fentlichen Wahrneh­mung deut­lich verän­dert. „Ob­jek­tiv ist der Stel­len­w­ert der WP hoch, sub­jek­tiv wird die Be­deu­tung verneint. Der Nied­er­gang der Prü­fung­shon­o­rare belegt die Ger­ingschätzigkeit eines Teils der geprüften Un­terneh­men für die Prü­fung. Un­ter­stützt wird diese En­twick­lung da­durch, dass die großen Ge­sellschaften die Prü­fung nur als Türöffn­er für Be­r­a­tungs­geschäfte nutzen. Damit haben sie ei­nen starken Marktvorteil“, fährt Gschrei fort. „Die Ab­sch­lussprü­fung wird im­mer mehr als notwendi­ges Übel ange­se­hen, manche sa­gen auch als Beläs­ti­gung. Die Be­deu­tung der Warn­funk­tion des WPs ist ver­loren ge­gan­gen.“ Man müsse seine Werte bess­er zu Markte tra­gen und kom­mu­nizieren. Dazu feh­le aber die Bere­itschaft und die dazu notwendige Schu­lung.

EU-Richtlinie im Fokus

Franz Plankermann, Vorstandsvorsitzender des Steuerberaterverbandes Düsseldorf e.V.
Franz Plank­er­mann, Vor­s­tandsvor­sitzen­der des Steuer­ber­ater­ver­ban­des Düs­sel­dorf e.V.

Dabei werde die Zukunft der Wirtschaft­sprü­fung ger­ade neu geschrieben – insbe­son­dere durch die Re­form der Ab­sch­lussprü­fung, die im ver­gan­ge­nen Jahr durch das EU-Par­la­ment beschlossen wurde. Zu den Kern­punk­ten zähl­ten noch 2011 u.a. die ex­terne Ro­ta­tion, Ge­mein­schaft­sprü­fun­gen oder die Tren­nung von Prü­fung und Be­r­a­tung. Über die zukünfti­gen Regelun­gen wird derzeit in­n­er­halb des Berufs­s­tan­des kon­tro­vers disku­tiert. „Die Um­set­zung der EU-Re­form, ur­sprünglich we­gen der Män­gel der Big4 im Vor­feld der Fi­nanzkrise ges­tartet, hat sich verselb­st­ständigt. Die Lob­by­is­ten der Big4 haben es geschafft, die Pfeile ge­gen sich auf den Mit­tel­s­tand umzu­lenken.“ Der in­tellektuell hoch­w­ertige und für die Wirtschaft er­forder­liche Beruf lebe von sein­er geisti­gen Ar­beit, diese wird un­ter­stützt durch IT. „Die Big4 ge­hen mit ihrem großen Ver­mö­gen den umgekehrten Weg: Dig­i­tal­isierung in Form von Al­go­rith­men zur Feh­ler­suche statt Geis­te­sar­beit. Dies di­ent der Kostensenkeng und wenn ein großer Feh­ler her­auskommt, kann man es auf die Soft­ware schieben.“ Für ihn ste­ht aber fest, dass die Dig­i­tal­isierung die Ur­sachen der Män­gel der let­zten Fi­nanzkrise auch nicht ver­hin­dert hätte. „Denn die Män­gel waren bekan­nt: nicht prüf­bare Fi­nanzpro­dukte und keine aus­reichende Prü­fung we­gen der In­teressen­skol­li­sion zwischen Be­r­a­tung und Prü­fung.“ Zu­dem könne der Men­sch bei der Be­w­er­tung der Bi­lanz­posten bezie­hungsweise Berech­nung der Zukunftsw­erte (Fair Val­ue) trotz Ex­cel die Zukunft nicht vo­raus­berech­nen. „Aktuelles Problem für den Mit­tel­s­tand ist, dass der Ge­set­zge­ber bei der Um­set­zung der EU-Richtlinie 2014 mas­siv über die EU-Vor­gaben hi­naus­ge­hen möchte. Wenn wir unsere Po­si­tio­nen, die uns die EU mit der Richtlinie 2014 geben möchte, er­hal­ten, dann hat die mit­tel­ständische Wirtschaft­sprü­fung eine gute Zukunft als Wirtschaft­sprüfer. An­son­sten se­he ich sch­warz.“
Jes­si­ca Hell­mann | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2017



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