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Management

Elektrotransporter liegen im Trend

Kai Kobüssen, Prokurist und technischer Leiter bei der Helmut Reiter GmbH, erläutert die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten von E-Fahrzeugen in der Industrie und Kommunalwirtschaft.

RM: Herr Kobüssen, das The­ma E- Mo­bil­ität beschränkt sich nicht nur auf den Straßen­verkehr, son­dern es wer­den auch zuneh­mend Elek­tro­tran­s­porter im pro­duzieren­den Gewerbe oder in der kom­mu­nalen Wirtschaft einge­set­zt. Welche Ein­satzmöglichkeit­en ergeben sich hi­er?
Kai Kobüssen: Es gibt so­wohl im in­dus­triellen als auch im kom­mu­nalen Bereich zahl­reiche Ein­satzmöglichkeit­en. In der In­dus­trie kom­men diese Fahrzeuge bere­its seit den 1960er-Jahren zum Ein­satz. Die heuti­gen Elek­tro­tran­s­porter ver­fü­gen über mod­ern­ste Steuerungs- und Bat­teri­etech­nik. Sie wer­den in der In­dus­trie z.B. in­ner­be­trie­blich als Tran­s­port­fahrzeuge für Be­triebsschloss­er bzw. -elek­trik­er, für die Verteilung von Post oder so­gar als Ca­ter­ing­fahrzeuge ver­wen­det. In Verbin­dung mit ent­sprechen­den Zugein­rich­tun­gen kön­nen auch be­son­ders sch­were Las­ten von A nach B tran­s­portiert wer­den. In der Kom­mu­nal­wirtschaft er­obert die E-Mo­bil­ität im­mer mehr Bereiche. Hi­er wer­den Fahrzeuge mit Mül­lauf­baut­en in der In­nen­s­tadt einge­set­zt sowie beispiel­sweise als Drei­seit­en-Kip­per in Parks oder auf Fried­höfen ver­wen­det. Durch Zu­la­dungs­möglichkeit­en von 800 bis 2.000 Kilo­gramm sind diese Klein­tran­s­porter sehr flex­i­bel einsetzbar.

RM: Gibt es spezielle Branchen, für deren in­ner­be­trie­blichen Verkehr sich Elek­tro­tran­s­porter be­son­ders gut eig­nen?

Kai Kobüssen: Hi­er sind vor allem die Alu­mini­um-, Stahl-, Au­to­mo­bil- und Chemiein­dus­trie zu nen­nen; im Grunde eig­nen sich alle Fir­men mit in­ner­be­trie­blichem Waren­verkehr oder Be­trieb­stech­nik­ern. Die Vorteile der E-Mo­bil­ität lassen kaum ei­nen an­deren Entsch­luss mehr zu, als hi­er­auf zu setzen. So haben z.B. einige deutsche Au­to­mo­bil­her­steller in ihren Werken bere­its ein Ver­bot des Be­triebs von Tran­s­portern mit Ver­bren­nungs­mo­tor aus­ge­sprochen.

RM: Wie hoch ist die max­i­male tägliche Fahr­leis­tung eines Elek­tro­tran­s­porters im Durch­sch­nitt und für welche Art von Wegstreck­en eig­nen sich die Fahrzeuge?

Kai Kobüssen: Das variiert natür­lich je nach Ein­satz. Nimmt man ein Fahrzeug, das in­ner­be­trie­blich im­mer mit max­i­maler Zu­la­dung fahren muss, kann die Reich­weite schon ein­mal auf 50 Kilome­ter be­gren­zt sein. An­dere Fahrzeuge kön­nen mit der ent­sprechen­den Bat­teri­etech­nik 150 Kilome­ter weit kom­men. Auch bei der Bat­teri­etech­nik gibt es er­he­bliche Un­ter­schiede. So kann man z.B. mit Lithi­um-Sch­nel­l­lade­tech­nik na­hezu rund um die Uhr ar­beit­en. Hi­er wer­den die Pausen der Mi­tar­beit­er für die La­dung der Bat­terie genutzt. Ähn­lich ist es, wenn man mit Wech­sel­bat­te­rien ar­beit­et, dann muss lediglich zum Tauschen der Bat­te­rien ange­hal­ten wer­den.

RM: Worin lie­gen die großen Vorteile von Elek­tro­tran­s­portern?

Kai Kobüssen: Im ver­bren­nungs­mo­torischen Bereich gibt es im­mer mehr Probleme, Ab­gase­mis­sio­nen in den Griff zu bekom­men. E-Fahrzeuge sind ide­al für Kurzstreck­en geeignet, und neben der Vermei­dung von CO2-Emis­sio­nen spricht auch die kaum hör­bare Geräus­che­mis­sion ganz klar für den Elek­troan­trieb. Nicht zulet­zt ist E-Mo­bil­ität auch ein Aushängeschild für die Be­triebe: Kom­men E-Fahrzeuge zum Ein­satz, kann der Be­treiber hi­er­durch sei­nen „grü­nen Dau­men“ zei­gen. Allein im Be­trieb­skosten­ver­gleich sch­nei­det der Elek­tro­tran­s­porter im­mer wesentlich bess­er ab als ein ver­gleich­bar­er Ver­bren­n­er. Hinzu kom­men die deut­lich gerin­geren War­tungskosten. Durch na­hezu war­tungs­freie Dreh­stromtech­nik liegt der Haup­tan­teil bei ein­er In­spek­tion nur in der Pflege der Bat­terie.

RM: Fall­en bei E-Fahrzeu­gen auch weniger Steuern und Ver­sicherungskosten an?

Kai Kobüssen: Bleibt ein E-Fahrzeug rein für den in­ner­be­trie­blichen Verkehr, muss man es grund­sät­zlich nicht an­mel­den. Die Ver­sicherung kann dann über die Be­trieb­shaftpflicht er­fol­gen, eine Kfz-Steuer wird nicht fäl­lig. Nimmt das Fahrzeug am öf­fentlichen Straßen­verkehr teil, muss man es an­mel­den und eine zusät­zliche Kfz-Ver­sicherung ab­sch­ließen. Von der Kfz-Steuer sind reine Elek­tro­fahrzeuge zehn Jahre ab Zu­las­sungs­da­tum be­fre­it, da­nach sind max­i­mal 50 Prozent des nor­malen Steuer­satzes fäl­lig.

RM: Herr Kobüssen, her­zlichen Dank für das Ge­spräch.

Miri­am Leschke | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 05/2017



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