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Management

Der ehrbare Kaufmann

Von einem partnerschaftlichen Umgang in den Zulieferketten profitieren Zulieferer und Hersteller gleichermaßen. Das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ soll Unternehmen den Weg für eine faire Zusammenarbeit weisen.

Bild oben: Zulieferer: Ein Rädchen greift ins andere (Foto: © Herrndorff – stock.adobe.com)
In Deutsch­land ar­beit­en die Zulief­er­er der ver­schie­de­nen Wertschöp­fungsstufen und die Her­steller der End­pro­dukte be­son­ders eng zusam­men. Dies gilt be­son­ders für die Zulie­fer­ket­ten im Au­to­mo­bil­bau. Das Mitei­nan­der von klei­nen, mittleren und großen Un­terneh­men wird von allen Part­n­ern im Wertschöp­fungsver­bund als Er­fol­gs­mod­ell ge­prie­sen. Ein Mod­ell, das zuweilen Risse bekommt. Un­s­tim­migkeit­en in den Zulie­fer­ket­ten wer­den allerd­ings sel­ten an die Öf­fentlichkeit ge­tra­gen, Machtkämpfe fin­d­en üblicher­weise hin­ter den Kulis­sen statt. Im ver­gan­ge­nen Som­mer sah das an­ders aus: Der Stre­it zwischen Volk­swa­gen und der Pre­vent-Gruppe es­kalierte. Nach­dem die Zulief­er­er ES Au­to­mo­bil­guss und Car Trim den größten deutschen Au­to­bauer nicht mehr be­lie­fer­ten, ruhte die Pro­duk­tion in Wolfs­burg im Au­gust 2016. Fast 28.000 Mi­tar­beit­er waren von Band­still­stän­den be­trof­fen, auch die Pol­i­tik mischte sich ein. Als Volk­swa­gen-Auf­sicht­s­rats­mit­glied er­griff Nied­er­sach­sens Min­is­ter­präsi­dent Stephan Weil (SPD) wenig über­raschend Partei: „Es bleibt bei mir ein Un­be­ha­gen über das Vorge­hen der Pre­vent Group, die nicht bere­it war, den in unserem Rechtss­taat vorge­se­he­nen Weg ein­er Klärung vor den Gericht­en zu ge­hen. Sie hat statt­dessen ei­nen Großkon­f­likt mit be­trächtlichen Schä­den eröffnet“, sagte Weil da­mals. Fernab von Schuldzuwei­sun­gen blieben die ge­nauen Hin­ter­gründe für den Zulie­fer­stre­it je­doch weitest­ge­hend un­k­lar. Aus­lös­er war die Kündi­gung von Zulie­fer­verträ­gen durch den Volk­swa­gen-Konz­ern, da­nach hat­ten beide Parteien ei­nen öf­fentlichen Machtkampf er­probt. Dies­er en­dete so über­raschend, wie er gekom­men war: mit ein­er Eini­gung und dem Ab­sch­luss ein­er neuen langfristi­gen Zusam­me­nar­beit.

Es­kala­tio­nen im Vor­feld vermei­den

Zulieferer: Ein Rädchen greift ins andere (Foto: © Herrndorff – stock.adobe.com)
Zulief­er­er: Ein Rädchen greift ins an­dere (Fo­to: © Her­rn­dorff – stock.adobe.com)

Damit es gar nicht erst zu öf­fentlich aus­ge­tra­ge­nen Machtkämpfen kommt, hat der Bun­desver­band der Deutschen In­dus­trie (BDI) ein Po­si­tions­pa­pi­er for­muliert (sie­he Kas­ten). In den zehn Punk­ten für faire und nach­haltige Zulie­fer­bezie­hun­gen heißt es z.B.: „Fair­ness im Um­gang mitei­nan­der, die Ein­hal­tung von Verträ­gen und der Re­spekt vor schutzwürdi­gen Be­lan­gen des Ver­trags­part­n­ers sind in deutschen Großun­terneh­men, wie im deutschen Mit­tel­s­tand, fes­ter Be­s­tandteil der Un­terneh­mens­führung und Un­terneh­men­skul­tur (Leit­bild des ‚Ehr­baren Kauf­manns‘).“ Ba­sis für das Po­si­tions­pa­pi­er war nach An­gaben des BDI eine branchenüber­greifende, 18-mo­natige Diskus­sion. Weit­er­hin heißt es dort u.a., dass das geistige Ei­gen­tum des Part­n­ers geschützt, die In­no­va­tions­fähigkeit des Zulief­er­ers durch Pla­nungs­sicher­heit gestärkt und die struk­turellen Verän­derun­gen auf­grund des Drucks der Welt­märkte part­n­er­schaftlich ges­tal­tet wer­den müssen. Doch Pa­pi­er ist bekan­ntlicher­weise ge­duldig: Der Ver­band hat die zehn Punkte bere­its im Herbst 2015 auf Be­treiben des BDI/BDA-Mit­tel­s­tand­sausschuss­es veröf­fentlicht, den VW-Zulie­fer­stre­it kon­nte er damit nicht ver­hin­dern. Dabei lie­fert der BDI gleich zu Be­ginn des Po­si­tions­pa­piers das wohl stärk­ste Ar­gu­ment für die Aufrechter­hal­tung guter Zulie­fer­bezie­hun­gen: „Die in­ter­na­tio­nale Wett­be­werbs­fähigkeit der deutschen In­dus­trie beruht im Kern auf der Fähigkeit, im Ver­bund von großen, mittleren und kleineren Un­terneh­men auf den Welt­märk­ten kom­plette Sys­tem­lö­sun­gen, viel­seitige Pro­dukte und passende Di­en­stleis­tun­gen er­fol­greich anzu­bi­eten. Das Ein­bin­den wett­be­werbs­fähiger Zulief­er­er er­möglicht in ho­hem Maß die Flex­i­bil­ität aller An­bi­eter auf den Märk­ten.“ Damit sind wir wied­er beim deutschen Er­fol­gs­mod­ell an­ge­langt: der part­n­er­schaftlichen Zusam­me­nar­beit in Net­zw­erken. So­wohl große Her­steller als auch mit­tel­ständische Zulief­er­er müssen in einem im­mer härter wer­den­den in­ter­na­tio­nalen Wett­be­werb ge­mein­sam beste­hen. Durch enge Ko­op­er­a­tio­nen über die ge­samte Sup­p­ly Chain hin­weg kön­nen sich die ex­por­to­ri­en­tierten deutschen Un­terneh­men ei­nen Vorteil ge­genüber ihren Konkur­ren­ten auf den Welt­märk­ten sich­ern. Störun­gen in den Abläufen, wie z.B. Band­still­stände, brin­gen hinge­gen Nachteile für alle Beteiligten. Zu­dem trifft ein Stre­it wie zwischen Volk­swa­gen und der Pre­vent-Gruppe auch un­beteiligte Un­terneh­men – an­dere VW-Zulief­er­er et­wa, die auf­grund eines Pro­duk­tionss­topps nicht mehr lie­fern kön­nen.

Grund­lage: ver­trauensvolle Zusam­me­nar­beit


Um solche Nachteile zu ver­hin­dern, stellt sich die Ar­beits­ge­mein­schaft Zulie­ferin­dus­trie (ArGeZ), die 9.000 Zulief­er­er mit ein­er Mil­lion Beschäftigten und einem Um­satz von rund 218 Mil­liar­den Eu­ro ver­tritt, nach ei­ge­nen An­gaben aus­drück­lich hin­ter die zehn Punkte des BDI. „Nach­haltige Zulie­fer­bezie­hun­gen basieren auf ein­er ver­trauensvollen Zusam­me­nar­beit, die durch ge­gen­seitige Fair­ness und ein langfristiges Denken ent­ste­ht. Wett­be­werbs­fähige Kosten­struk­turen, In­no­va­tio­nen und höch­ste Qual­itäten ent­ste­hen nicht durch ein­seitige Markt­macht, son­dern auf der Grund­lage von ge­gen­seitigem Ver­trauen und Fair­ness im Um­gang mitei­nan­der. Wenn die Regeln von fairem Wett­be­werb außer Kraft ge­set­zt wer­den, kann dies ex­is­tenzielle Fol­gen haben“, lässt die ArGeZ ver­laut­en. Sie ver­tritt als In­teressens­ge­mein­schaft der Wirtschaftsver­bände Kun­st­stoff-, Stah­lverar­bei­tungs-, Guss-, Tex­til-, Kautschuk- und Me­t­allin­dus­trie die Be­lange der zumeist mit­tel­ständischen Au­to­mo­bil- und Zulie­fer­fir­men. Alexan­der Kirsch­baum | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017



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