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Business

Alle Zeichen auf Wachstum

Die Logistikbranche hat kaum Gründe zu klagen. Seit sechs Jahren befindet sie sich auf Wachstumskurs und bietet fast drei Millionen Menschen Arbeit.

Bild oben: Die Logistikbranche wächst (Foto:© thomaslerchphoto – stock.adobe.com)
In kaum ein­er Branche ste­hen die Zeichen so klar auf Wach­s­tum wie in der Lo­gis­tik­branche. Allein zwischen 1950 und 2010 hat sich die Tran­s­portleis­tung von un­ter 100 Mil­liar­den Ton­nen auf über 600 Mil­liar­den Ton­nen mehr als ver­sechs­facht – und ein Ende des Wach­s­tums scheint auch heute erst ein­mal nicht in Sicht. Nicht ohne Grund erk­lärte da­her Frank Hus­ter, Haupt­geschäfts­führ­er des Deutschen Spedi­tions- und Lo­gis­tikver­ban­des (DS­LV), an­läss­lich der Bekan­nt­gabe der Um­satz- und Beschäftigten­zahlen für den Wirtschafts­bereich „Verkehr und Lagerei“ des Statis­tischen Bun­de­samtes für das Jahr 2016: „Die Tran­s­port- und Lo­gis­tik­branche ist seit sechs Jahren in Folge auf Wach­s­tum­skurs und hat in dies­er Zeit kont­inuier­lich Ar­beit­s­plätze geschaf­fen.“ Der deutsche Lo­gis­tik­markt hatte im Jahr 2015 ent­sprechend der aktuellen Studie „Die Top 100 der Lo­gis­tik“ der Fraun­hofer-Ar­beits­gruppe für Sup­p­ly Chain Ser­vices ein Ge­samtvol­u­men von 253 Mil­liar­den Eu­ro. Die­s­es Ge­samtvol­u­men bein­hal­tet auch die Leis­tun­gen der Lo­gis­tik­abteilun­gen von In­dus­trie und Han­del. Ei­nen geschätzten An­teil von gut 51 Prozent (ein­sch­ließlich Tran­s­port und Um­sch­lag) haben allein die rei­nen An­bi­eter von Lo­gis­tik­di­en­stleis­tun­gen er­wirtschaftet. Et­was mehr als die Hälfte des Um­satzes er­bracht­en die Un­terneh­men der ver­la­den­den Wirtschaft in Ei­gen­leis­tung. Ins­ge­samt waren im deutschen Lo­gis­tik­markt 2,97 Mil­lio­nen Per­so­n­en beschäftigt. Die Verkehrs- und Lo­gis­tik­branche ist damit dritt­größter Wirtschaft­szweig in Deutsch­land, in dem von 2015 bis 2016 die Zahl der Beschäftigten um 2,4 Prozent und der Um­satz um 1,2 Prozent zule­gen kon­nte. „Die Verkehrs- und Lo­gis­tik­wirtschaft ist damit ein zukunfts­ge­wandter und -sicher­er Wirtschaft­szweig, mit ge­sun­dem und kon­s­tan­tem Wach­s­tum. Die Er­folge seit 2010 ver­dankt unsere Branche insbe­son­dere ein­er maßvollen Reg­ulierung und ein­er sta­bilen Sozial­part­n­er­schaft mit unseren Beschäftigten“, so Frank Hus­ter weit­er.

Di­en­stleis­tun­gen sind ge­fragt

Die Logistikbranche wächst (Foto:© thomaslerchphoto – stock.adobe.com)
Die Lo­gis­tik­branche wächst (Fo­to:© tho­maslerch­pho­to – stock.adobe.com)

Vor allem der Markt der An­bi­eter von Spedi­tions- und Lo­gis­tik­di­en­stleis­tun­gen kann auf eine vielver­sprechende Zukunft blick­en. Mit über 550.000 Beschäftigten und einem Um­satz von rund 100 Mil­liar­den Eu­ro hatte sich das Um­satzniveau der Branche zunächst auf einem mod­er­at­en Wach­s­tum­skurs sta­bil­isiert. Aktuell lässt die Kon­junk­turs­tatis­tik nun im Durch­sch­nitt ei­nen Rück­gang des Branchenum­satzes von et­wa mi­nus 0,9 Prozent ge­genüber der Vor­jahres­pe­ri­ode er­warten. Der Großteil der mehr als ein­er hal­ben Mil­lion Beschäftigten ar­beit­et in dies­er Branche in klei­nen und mittleren Un­terneh­men. Cir­ca 53 Prozent der Be­triebe ver­fü­gen über bis zu 50 Mi­tar­beit­er. Nur 14 Prozent beschäfti­gen mehr als 200 Mi­tar­beit­er. Im Sch­nitt hatte im Jahr 2015 ein Be­trieb 34 Beschäftigte.

Spezial­isierung nimmt zu

DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster (Quelle: DSLV)
DS­LV-Haupt­geschäfts­führ­er Frank Hus­ter (Quelle: DS­LV)


Im Laufe der Jahre hat sich natür­lich auch in­n­er­halb des Lo­gis­tikgeschäfts einiges ge­tan. So müssen er­fol­greiche Lo­gis­tik­er heute fundierte Ken­nt­nisse der Prozess- und Ver­sor­gungs­ket­ten des Han­dels und der In­dus­trie be­sitzen. Aus den im­mer dif­ferenziert­eren An­forderun­gen haben sich somit stetig mehr spezielle Teilmärkte der Lo­gis­tik her­auskris­tal­lisiert. Zu den An­forderun­gen zählen un­ter­schiedliche Ver­triebs­for­men, bes­timmte Güterei­gen­schaften oder auch spezielle Branchengegeben­heit­en. Doch auch hi­er gilt das branchenüber­greifende Mot­to: Die Mark­ten­twick­lung fol­gt den Kun­de­nan­forderun­gen. Über die Jahre wurde so die Kon­trakt­l­o­gis­tik im­mer be­deu­ten­der. Die Neben­leis­tun­gen oder Mehr­w­ert­di­en­ste, sprich Val­ue Add­ed Ser­vices, sind heute Hauptbe­s­tandteil des Lo­gis­tikgeschäfts. Sie sind oft sehr kun­den­spez­i­fisch konzipiert und setzen ein ho­h­es Maß an Ver­trauen vo­raus, da sie über den rei­nen Tran­s­port, die Lager­hal­tung oder auch den Um­sch­lag hi­naus­ge­hen und von der Abruf­s­teuerung bis hin zum Re­touren­ma­n­age­ment na­hezu alles be­di­e­nen.

Nadelöhr Straße

Logistikunternehmen bieten weltweit ihren Service an (© Cybrain– stock.adobe.com)
Lo­gis­tikun­terneh­men bi­eten weltweit ihren Ser­vice an (© Cy­brain– s­tock.adobe.com)

Einem Problem ste­ht die Branche je­doch auch weit­er­hin ge­genüber: Zu drei Vierteln wer­den die Tran­s­porte über die Straße abgewick­elt. Die Ka­paz­itäts­grenze scheint bald er­reicht. Und das, ob­wohl ge­fühlt im ganzen Land die Au­to­bah­nen im­mer mehr­spuriger aus­ge­baut wer­den. Dass ein Großteil des Lkw-Aufkom­mens auf die Schiene ver­lagert wer­den kann, ist allerd­ings ein falsch­er Hoff­nungsschim­mer. Denn rund 80 Prozent dies­er Fahrten wer­den in­n­er­halb eines Ra­dius von bis zu 150 Kilome­tern durchge­führt. Eine viel näher lie­gende Lö­sung schei­nen die Lang-Lkw darzustellen. Mit ein­er Länge von bis zu 25,25 Me­tern bei gleich­er Ton­nage bi­etet solch ein Lkw ein deut­lich höheres Lade­vol­u­men, so­dass an­s­tatt drei nur noch zwei Lkw be­wegt wer­den müssen. Somit kann Kraft­stoff ges­part und zu­gleich der CO2-Auss­toß re­duziert wer­den. Ex­perten sprechen von Eins­parun­gen von 15 bis 30 Prozent. Gleichzeitig wer­den weniger Fahr­er benötigt, was die Kosten für jede Fracht­fahrt weit­er min­imiert. Was eben­falls nicht außer Acht ge­lassen wer­den darf, ist die Tat­sache, dass durch die Gewichtsverteilung von fünf auf acht Ach­sen die Fahr­bah­nen deut­lich weniger ab­genutzt wer­den, was ein gerin­geres Baustel­le­naufkom­men nach sich zie­hen würde. Denn der Zu­s­tand der Verkehrs­in­fras­truk­tur beschäftigt die Branche bere­its seit Jahrzeh­n­ten. So ist et­wa die Sauer­lan­dlinie (A45) auf­grund der au­to­ma­tischen En­tei­sungsan­la­gen durch Be­ton­fraß und durch die sehr ho­he Verkehrs­be­las­tung durch Lkw arg in Mitlei­den­schaft ge­zo­gen. Gleich­es gilt für die Brück­en auf de­r­A45 oder auch für die Rhein­brücke Lev­erkusen. „Der Ver­fall der Straßen ist ab­so­lut gravierend. Wir leben seit 20 Jahren von der Sub­s­tanz“, heißt es seit­ens des DS­LV. Mar­cel Som­mer | ms@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 05/2017



WEITERE INHALTE

Vom Schiff direkt auf den Zug oder den Lkw: Container sind unersetzlich geworden (© Studio M – stock.adobe.com)
Vom Schiff direkt auf den Zug oder den Lkw: Container sind unersetzlich geworden (© Studio M – stock.adobe.com)