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Management

Abschiede

Julia Dombrowski denkt über bedauerliche und überfällige Abschiede nach. Manchmal ist es eben Zeit zu gehen.

Bild oben: (Foto: ©studiostoks– stock.adobe.com)
Es ist nicht totzukrie­gen, auch im 21. Jahrhun­dert nicht: Noch heute beste­hen einige Be­hör­den be­har­r­lich da­rauf, ein Tele­fax für den In­for­ma­tion­saus­tausch einzusetzen. Nein, E-Mails wer­den nicht akzep­tiert, es muss unbe­d­ingt die Buschtrom­mel un­ter den Fernkom­mu­nika­tionsme­di­en sein. Kön­nte man davon nicht Ab­schied neh­men? Nö, das müsse so. Nun ja.
An­deres, was an­no dazu­mal selb­stver­ständlich war in der Ar­beitswelt, ist dage­gen ver­sch­wun­den – und kein Men­sch ver­misst es: verqualmte Raucher­büros, weil die Kippe am Schreibtisch mal völ­lig nor­mal war; Me­m­os auf Pa­pi­er, die von Mi­tar­beit­er zu Mi­tar­beit­er wan­derten und von je­dem un­ter­schrieben wur­den, der sie ge­le­sen hatte; der Einkauf in der Mit­tags­pause, weil Geschäfte höch­stens bis 18:30 Uhr geöffnet hat­ten – und Mitt­woch­nach­mit­tag meist gar nicht. Allem vo­ran aber die An­nahme, dass Chefs grund­sät­zlich Män­n­er seien. Him­mel, es ist sehr beruhi­gend, dass sich manch­er Sta­tus quo ein­fach in Luft au­flöst!
Hinge­gen ein Ar­beit­sleben ohne In­ter­net, das war nicht nur sch­lecht. Ohne ständi­gen In­for­ma­tions-Overkill und Hun­derte un­ge­le­sen­er Nachricht­en im E-Mail-Post­fach lebte und ar­beit­ete es sich ein bisschen ents­pan­n­ter. Da plaud­erte man eben mal mit den net­ten Men­schen bei der Tele­fo­nauskunft, um an eine Num­mer außer­halb des örtlichen Verzeich­niss­es zu ge­lan­gen. Oder man radelte zur Stadt­bücherei, um ir­gend­was nachzusch­la­gen. Ach nein – in Zeit­en vor dem In­ter­net wäre man wohl eher mit dem Au­to ohne Ka­talysa­tor, das Benzin für 1 Mark 20 pro Liter ge­tankt hatte, bis zum näch­sten Brie­fkas­ten ge­fahren. Okay, früher war ver­mut­lich doch nicht alles bess­er.
An­der­er­seits – un­be­fris­tete Ar­beitsverträge waren da­mals noch die Regel und nicht die Aus­nahme. Wer nach der Schule in die Lehre kam und sich nicht al­lzu blöd an­stellte, hatte die Chance, die restlichen 45 Jahre seines Ar­beit­slebens im sel­ben Be­trieb zu bleiben. „Gen­er­a­tion Prak­tikum“ lag noch in weit­er Ferne und nie­mand hätte sich träu­men lassen, dass eines Tages hochqual­i­fizierte junge Men­schen von ein­er prekären Beschäf­ti­gung zur näch­sten sprin­gen müssen und das auch noch nor­mal fin­d­en. In die­sem Fall hat die Ge­sellschaft zu ein­er Selb­stver­ständlichkeit Ade ge­sagt, die gern wied­er zurück­kehren dürfte.
Ab­schiede von Kol­le­gen, die sind an­stren­gend. Da gibt es in regelmäßigem Tur­nus Mett-Igel, Sch­nittchen, Kuchen­plat­ten oder den Mit­tagssekt zum Aus­s­tand, je­mand muss eine ko­r­diale Rede hal­ten und es wird zusam­men­gelegt für ei­nen Geschenkgutschein vom Kaufhaus, das über­haupt nur noch durch Geschenkgutscheine für Ausstände vor der In­sol­venz be­wahrt wer­den dürfte. Und neue Kol­le­gen ei­nar­beit­en, sich an sie gewöh­nen, das ist ja sch­ließlich auch Stress. Vor allem in Zeit­en, in de­nen un­be­fris­tete Verträge eine solche Nor­mal­ität sind, dass der näch­ste Ein­s­tands- oder Aus­s­tands-Mett-Igel wie ein ständi­ges Damok­lessch­w­ert über dem Ar­beit­sall­t­ag sch­webt.
Ab­schiede sind nicht per se gut oder sch­lecht. Manche sind ein­fach an der Rei­he, um et­was oder je­mand neuem Platz zu machen. Es war mir eine große Freude, seit 2009 an dies­er Stelle über di­verse Par­al­lel­wel­ten schreiben zu dür­fen. Nun ist es an der Zeit, an ei­nen neuen Kopf zu übergeben, der Sie in Zukunft un­ter­hal­ten wird. Mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge nehme ich Ab­schied. Machen Sie es gut und bleiben Sie dies­er Seite ge­wo­gen! Ju­lia Dom­brows­ki | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 08/2017



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(Foto: ©studiostoks– stock.adobe.com)
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