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Unbekannte Pioniere

Obwohl der Fintech-Markt rasant wächst, greifen aktuell nur wenige Kunden und Mittelständler auf die Technologien zurück. Das soll sich jedoch bald ändern.

Bild oben: Foto: © photon_photo_stock.adobe.com
Der Be­griff „Fin­tech“ ist äußerst hetero­gen, was es er­sch­w­ert, seine Rolle im Mit­tel­s­tand greif­bar zu machen. Neue Fin­tech-Star­tups mit je an­der­er Gewich­tung schießen derzeit wie Pilze aus dem Bo­den. Zwei En­twick­lun­gen sollen im Fol­gen­den näher be­trachtet wer­den: das On­line-Pay­ment in all sei­nen Facet­ten und Fin­tech als in­no­va­tives Fi­nanzierungsal­ter­na­tive zur Haus­bank.

Rech­nung ist Vor­reit­er

Foto: © photon_photo_stock.adobe.com
Fo­to: © pho­ton_pho­to_stock.adobe.com

Im sta­tionären Han­del spielt On­line-Pay­ment nach wie vor keine entschei­dende Rolle. 52,4 Prozent des Um­satzes wird nach ein­er Studie des EHI Re­tail In­sti­tute dort noch in bar eingenom­men, 44,5 Prozent über Karten­zah­lung. Die Rubrik „Son­stige“ – ge­meint sind hi­er u.a. auch die neuen Fin­tech-Pro­dukte – nimmt nur 0,6 Prozent ein. Das mo­bile Zahlen steckt al­so, trotz der Möglichkeit­en, noch in den Kin­der­schuhen.
An­ders sie­ht es, ver­ständlicher­weise, beim On­line-Han­del aus. Wie drastisch sich ein gutes On­line-Pay­ment-Port­fo­lio auswirken kann, zeigt die Studie „Er­fol­gs­fak­tor Pay­men­t“ von ibi re­search. Dem­nach sinkt die Zahl der Ka­u­fab­brüche ten­denziell mit zuneh­men­der An­zahl an Zah­lungsver­fahren. Wer beispiel­sweise nur Vorkasse an­bi­etet, muss mit ein­er Ab­bruchquote von 88 Prozent rech­nen. An­bi­eter, die eine Vielzahl von Ver­fahren an­bi­eten (Vorkasse, Pay­Pal, Rech­nung, Kred­itkarte, So­fort Über­wei­sung und Lastschrift) haben hinge­gen nur eine Ab­bruchquote von einem Prozent. Dazwischen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeit­en mit ab­neh­men­der Ab­bruchquote (mit Vorkasse und Pay­Pal liegt die Ab­bruchquote beispiel­sweise bei 33 Prozent). Trotz allem bleibt nach Ergeb­nis­sen der Eu­ro­pean Eco­nom­ic Com­mu­ni­ty die Rech­nung im On­line-Han­del auf Platz eins: 40,2 Prozent der Kon­su­men­ten nen­nen sie als lieb­stes Ver­fahren, bei 84,4 Prozent ist sie un­ter den Top-Fünf-Ver­fahren. Pay­Pal liegt mit 29,2 Prozent bzw. 71 Prozent auf Platz zwei. Die Lastschrift wurde mit 53,5 Prozent un­ter die Top-Fünf-Zah­lungs­meth­o­d­en gewählt und belegt damit Platz drei. Vorn bleibt al­so ein Of­f­line-Ver­fahren. Auch eine Er­he­bung der Deutschen Bun­des­bank zeigt im Jahr 2014 ein ähn­lich­es Ver­hal­ten. 56 Prozent zahlen am lieb­sten per Über­wei­sung nach der Lie­fer­ung (al­so auf Rech­nung), 55 Prozent über ein In­ter­net-Bezah­lver­fahren (eine Mehr­fach­nen­nung war möglich). Bei den In­ter­net-Bezah­lver­fahren er­freut sich Pay­Pal der größten Be­liebtheit (mit 88 Prozent), ge­fol­gt von So­fort Über­wei­sung (23 Prozent) und Giro­pay (drei Prozent). Da­raus lässt sich sch­ließen: Auch für Mit­tel­ständler wird die On­line-Zah­lungs­meth­ode im­mer es­sen­tieller.
Gründe, nicht mehr Ver­fahren mit in das Port­fo­lio zu neh­men, gibt es viele. Nach ein­er Studie von ibi re­search zu Ge­samtkosten von Zah­lungsver­fahren sind die Kosten eines Zah­lver­fahrens je­doch das haupt­säch­liche An­forderungskri­teri­um. Im Blick haben die Händler dabei allerd­ings meist nur die di­rek­ten Kosten. Auf die in­di­rek­ten Kosten, die et­wa durch Prü­fun­gen, Zah­lungsaus­fälle oder Re­touren­ab­wick­lun­gen ent­ste­hen, acht­en On­line-Händler sel­ten­er. Das heißt konkret: Auch wenn die Zah­lung auf Rech­nung bei einem durch­sch­nittlichen Wareneinkauf von 100,60 Eu­ro lediglich 1,74 Eu­ro an di­rek­ten Kosten verur­sacht, sch­lägt, ver­rech­net man alle in­di­rek­ten Kosten, die Zah­lung auf Rech­nung fi­nal mit 8,36 Eu­ro zu Buche. Im Ver­gleich: Pay­Pal kostet zwar di­rekt 2,13 Eu­ro für densel­ben Einkauf­sw­ert, verur­sacht aber in­k­lu­sive in­di­rek­ter Kosten nur ei­nen Aufwand von 4,87 Eu­ro. Am gün­stig­sten ist die So­fort Über­wei­sung mit Kosten von ins­ge­samt 1,88 Eu­ro. De fac­to kön­nen Fin­tech-Ver­fahren al­so deut­lich gün­stiger sein als be­währte Nicht-On­line-Ver­fahren, zie­ht der Händler auch in­di­rekte Kosten hinzu.

Kredite sind noch Of­f­line-Sache

Thorsten Seeger, Geschäftsführer von Funding Circle Deutschland Foto: Funding Circle
Thorsten Seeger, Geschäfts­führ­er von Fund­ing Cir­cle Deutsch­land Fo­to: Fund­ing Cir­cle


Was den Fin­tech-Markt im On­line-Pay­ment ange­ht, lässt sich so leicht nicht auf den On­line-Kred­it­markt über­tra­gen. Hi­er fehlt es vor allem noch an Bekan­n­theit der al­ter­na­tiv­en Kred­it­möglichkeit­en. Die Fir­menkun­den­be­fra­gung der Un­terneh­mens­ber­a­tung Kamp­mann, Berg & Part­n­er spricht davon, dass ger­ade ein­mal 15 Prozent der Fir­menkun­den Fin­techs ken­nen. Auch hi­er belegt Pay­Pal mit großem Ab­s­tand den er­sten Platz (89 Prozent der 200 Be­fragten kan­n­ten den An­bi­eter). Der Kred­it­ge­ber aux­money kommt auf nur 29 Prozent. Deut­lich pos­i­tiv­er sie­ht der Fi­nanzierungs­mon­i­tor der Fir­ma Cred­it­shelf die Lage. Zwei Drit­tel der Be­fragten aus dem Mit­tel­s­tand (64 Prozent) wussten von der Möglichkeit, Be­triebs­mit­telkredite über An­bi­eter ein­er On­line-Platt­form aufzuneh­men. Für die Bekan­n­theit ve­r­ant­wortlich zeich­nen sich On­line-Me­di­en (64 Prozent), Zei­tun­gen und Zeitschriften (30 Prozent) und so­gar die Haus­banken (28 Prozent). 78 Prozent der Teil­neh­mer beant­worteten die Frage, ob sie sich vorstellen kön­n­ten, künftig Be­triebs­mit­telkredite über eine On­line-Platt­form abzusch­ließen, wenn das un­kom­pl­iziert­er sei, mit „eher ja“ oder „ja“. Damit bleibt die Quote im Ver­gleich zum Vor­jahr (76 Prozent) na­hezu iden­tisch. Bei den Mit­tel­ständlern habe man laut Daniel Bartsch von Cred­it­shelf „nur ei­nen klei­nen An­teil am ge­samten Kred­it­mark­t“. Ist-Zahlen dazu wur­den beim aktuellen Fi­nanzierungs­mon­i­tor nicht er­hoben. Die Ten­denz ist je­doch stei­gend: „Wir ge­hen davon aus, dass im Jahr 2025 zehn Prozent der Kredite von Mit­tel­ständlern über Fin­tech abgewick­elt wer­den“, so Bartsch.

Kleine Mit­tel­ständler pro­f­i­tieren


In­teres­sant sei das Fin­tech-Geschäft auf Kred­it­neh­mer­seite laut Thorsten Seeger, Geschäfts­führ­er von Fund­ing Cir­cle Deutsch­land, vor allem für kleinere Un­terneh­men bis 10 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz. Bei Fund­ing Cir­cle wer­den Kredite bis 250.000 Eu­ro vergeben. Für größere Mit­tel­ständler bleiben Banken al­so die beste­hende Fi­nanzierungsquelle. An­ders stellt es sich auf der In­ve­s­toren­seite dar: „Bei uns in­vestieren viele große Mit­tel­ständler“, so der Geschäfts­führ­er. Als An­leger kön­n­ten diese beispiel­sweise Strafzah­lun­gen von Banken we­gen zu ho­her An­la­gen umge­hen.
Dessen ungeachtet sie­ht Seeger noch deut­lich­es Wach­s­tumspo­ten­tial im Fin­tech-Markt: „In den näch­sten fünf bis sieben Jahren wer­den wir et­wa 20 bis 50 Mal so groß sein wie jet­zt.“ Noch sei die Bekan­n­theit von On­line-Platt­for­men wie Fund­ing Cir­cle bei Mit­tel­ständlern aber ger­ing, hi­er gebe es noch viel Ar­beit zu tun. Ein­er der Pi­oniere, die schon früh die Vorteile des Fin­tech-Markts ent­deckt haben, ist Di­et­mar Scha­d­ow, Geschäfts­führ­er von Scha­d­ow Reifenser­vice. Mit vi­er Mi­tar­beit­ern ge­hört sein Be­trieb zu den kleineren Un­terneh­men, für die Fin­tech op­ti­mal geeignet ist. Um seine Lagerka­paz­ität zu er­höhen und neue Maschi­nen zu kaufen, benötigte er ei­nen Kred­it über 40.000 Eu­ro. Nach­dem er bei zwei Banken abgewie­sen wor­den war, wen­dete er sich an Fund­ing Cir­cle. Keine vi­er Wochen dauerte es, bis er das Geld hatte: „Ich bin ab­so­lut zufrie­den“, sagt der Ber­lin­er. Fünf Jahre hat er, um die Summe abzubezahlen. „Ich würde das wied­er machen“, ist er überzeugt. Natha­nael Ull­mann | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017



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