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Management

Consultants brauchen digitale Gene

Unternehmensberatungen sind angesichts des rasanten Wandels der Wirtschaft im Dauer-Höhenflug. Das Berater-Rüstzeug der Zukunft: IT-Kompetenz.

Bild oben: Foto: © NicoElNino – stock.adobe.com
Schon sieben Jahre in Folge haben die Un­terneh­mens­ber­a­tun­gen in Deutsch­land ihre Um­sätze steigern kön­nen. Sie wuch­sen im Sch­nitt um 7,4 Prozent pro Jahr und damit stärk­er als das Brut­toin­land­spro­dukt (zulet­zt + 1,9 Prozent). Für 2017 Jahr rech­net der BDU mit einem Plus von 8,3 Prozent. 2016 er­reichte der dritt­größte Con­sult­ing-Markt der Welt nach Zahlen des Bun­des Deutsch­er Un­terneh­mens­ber­ater (BDU) mit rund 29 Mil­liar­den Eu­ro ein Al­lzei­thoch; in­n­er­halb von zehn Jahren stieg die Zahl der Be­r­ater von 73.000 auf 115.000.

Vor­sprung vor den Kun­den

Foto:  © NicoElNino – stock.adobe.com
Fo­to: © Ni­coEl­Ni­no – stock.adobe.com

Wenn Be­r­ater ihren Kun­den bei der Dig­i­tal­isierung helfen wollen, brauchen sie auf die­sem Ge­bi­et ei­nen Vor­sprung vor ihren Kun­den. "Die Un­terneh­mens­ber­a­tun­gen, die in der Lage sind, die klas­sischen Be­r­a­tungs­diszi­p­li­nen mit der dig­i­tal­en Kom­pe­tenz zu verzah­nen, haben sich schon ganz gut po­si­tioniert", meint Klaus Neuhäus­er.

Za­u­ber­wort Da­te­n­a­nal­yse


„Auch Strate­gie­ber­a­tung", so zeigt sich Neuhäus­er überzeugt, „benötigt im­mer mehr dig­i­tale Kom­pe­tenz." Das gelte aber auch et­wa für Or­gan­i­sa­tionsverän­derung, insbe­son­dere Prozessverän­derung. „In­sofern gibt es keine richti­gen Trenn­linien mehr zwischen den Bereichen." Die Za­u­ber­worte heißen heute „In­dus­trie 4.0", „In­ter­net of Things", „Cloud" und vor allem "Big Da­ta". 91 Prozent der von Odgers Berndt­son im „Con­sult­ing-Mon­i­tor 2017" be­fragten Un­terneh­men nen­nen „Da­te­n­a­nal­yse im Kon­text von Big Da­ta" auf die Frage: „Welche Leis­tun­gen / Ange­bote soll­ten Be­r­a­tung­sun­terneh­men konkret bi­eten, um auch in der Zukunft wett­be­werbs­fähig im Markt zu sein." Die Anal­yse von Big Da­ta ist ein weites Feld: So will die Ge­sund­heitswirtschaft durch die Ausw­er­tung der Dat­en von Fit­ness-Track­ern er­fahren, wie ge­sund ihre Kun­den sind. Und das Re­para­tur- und War­tungs­geschäft wird durch „Pre­dic­tive Main­te­nance" ef­fizien­ter: Die Anal­yse großer Daten­men­gen er­möglicht den idealen Zeit­punkt zum rechtzeiti­gen Aus­tausch tech­nisch­er Kom­po­nen­ten. Am Ex­trem­beispiel Off­shore-Wind­parks zeigt sich, wie hoch das Eins­par­potenzial durch vo­rausschauende, vor­beu­gende War­tung ist.

Ge­sucht: IT-Ta­l­ente und -Fir­men


Das Quer­sch­nitt­s­the­ma Dig­i­tal­isierung ve­r­an­lasst viele Con­sult­ing-Fir­men, ver­stärkt IT-Ta­l­ente einzustellen. Die Al­ter­na­tive: Sie kaufen Tech­nik­fir­men oder Dig­i­ta­la­gen­turen gleich auf. Die Dig­i­tal­isierung erzeugt nichts weniger als ei­nen „Um­bruch in der Be­r­a­tungs­branche", glaubt Dirk Schäfer, Vor­sitzen­der der Geschäfts­führung der Kerkhoff Con­sult­ing Group. „Kun­den er­warten von ihren Be­r­atern zu Recht ei­nen un­terneh­merischen Mehr­w­ert, der einem gestie­ge­nen, kom­plex­eren Um­feld bei gleichzeitig ho­hem Ef­fizien­zan­spruch gerecht wer­den muss. Es ge­ht um die sin­n­volle Auf­bere­i­tung und Struk­turierung von Daten­massen." Ein großer An­fangsaufwand, der aber ideal­er­weise in ei­nen selb­stler­nen­den Prozess mün­det. Die Beschaf­fungs­soft­ware „Pro­cure­ment 4.0 – Prozes­sau­to­ma­tisiert­er Einkauf zum Best Price durch Dig­i­tal­isierung" ist ein Beispiel für ei­nen dis­rup­tiv­en – al­so alte Lö­sun­gen kom­plett ver­drän­gen­den – neuen An­satz.
Re­gio­nale Be­r­a­tungs­fir­men
Seit Langem ist auf dem Be­r­ater­markt ein Konzen­tra­tion­sprozess im Gange. Trotz­dem haben auch Play­er aus der Umge­bung eine Chance. „Bei den re­gio­n­al täti­gen Mit­tel­ständlern kann eine Rolle spielen, dass sie gern den Be­r­ater aus der Re­gion haben, dem sie ver­trauen", meint Klaus Neuhäus­er. „ Als Beispiel hi­er­für kön­nen die Mit­glieds­fir­men im BDU gel­ten, die sich im Re­gio­n­al­fo­rum Ba­den-Würt­tem­berg zusam­mengeschlossen haben." Die zweite Chance ist, so Neuhäus­er, eine Fach- oder Branchen­spezial­isierung – teil­weise sind es „Be­r­a­tungs­bou­tiquen": hoch­spezial­isierte feine Adressen mit hoch­w­ertigem
Ange­bot. Claas Möller | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017