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Management

Unternehmenspraxis


Bild oben: Foto: ©Bounlow-pic – stock.adobe.com

PER­SO­N­AL & KAR­RIERE

Beschäf­ti­gung legt weit­er zu

Das Ar­beits­markt­barom­e­ter des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB) ist im Mai ge­genüber dem Vor­mo­nat um 0,2 Punkte gestie­gen und liegt mit 104,6 Punk­ten klar im pos­i­tiv­en Bereich. Die Beschäf­ti­gungskom­po­nente liegt mit 106,9 Punk­ten auf dem höch­sten Wert seit Juli 2011. Das starke Wirtschaftswach­s­tum gebe ei­nen zusät­zlichen Schub, aber die Reko­r­den­twick­lung der Beschäf­ti­gung sei nicht in er­ster Linie durch die Kon­junk­tur zu erk­lären. Entschei­dend sei insbe­son­dere, dass sich der sta­bile Aufwärt­strend vor allem im Di­en­stleis­tungssek­tor fort­setze sowie das Ange­bot an Ar­beit­skräften durch Zuwan­derung steige. Die Jobchan­cen von Ar­beit­s­losen seien zu­gleich et­was gestie­gen. Aussch­laggebend sei dabei, dass Ar­beit­s­los­mel­dun­gen in­folge von Ent­las­sun­gen deut­lich sel­ten­er vorkä­men als in den ver­gan­ge­nen Jahren. Ver­füg­bare Ar­beit­skräfte seien knap­per ge­wor­den, de­shalb gebe es weniger Zugänge in Ar­beit­s­losigkeit als Abgänge. Ent­sprechend ste­ht die Kom­po­nente für die Vorher­sage der Ar­beit­s­losigkeit weit­er­hin auf dem guten Wert von 102,2 Punk­ten. Das IAB-Ar­beits­markt­barom­e­ter basiert auf ein­er mo­natlichen Um­frage der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit un­ter allen lokalen Ar­beit­sa­gen­turen. Die Skala reicht von 90 (sehr sch­lechte En­twick­lung) bis 110 (sehr gute En­twick­lung).

Höch­st­s­tand bei of­fe­nen Stellen

Im er­sten Quar­tal 2017 gab es bun­desweit 1.064.000 of­fene Stellen auf dem deutschen Ar­beits­markt. Damit lag die Zahl um 9.000 über dem bish­eri­gen Höch­st­s­tand vom vierten Quar­tal 2016. Ge­genüber dem er­sten Quar­tal 2016 er­höhte sich die Zahl der of­fe­nen Stellen so­gar um 75.000. Das ge­ht aus der repräsen­ta­tiv­en Stel­len­er­he­bung des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung her­vor. 64 Prozent der of­fe­nen Stellen er­fordern eine abgeschlossene Beruf­saus­bil­dung, 16 Prozent ein abgeschlossenes Hoch­schul­s­tudi­um. Bei 20 Prozent der of­fe­nen Stellen wird keine Aus­bil­dung vo­raus­ge­set­zt. „Ger­ade kleine und mittlere Un­terneh­men suchen vor allem Fachkräfte mit ein­er Beruf­saus­bil­dung“, so IAB-Ar­beits­markt­forsch­er Dr. Alexan­der Ku­bis. Das IAB un­ter­sucht mit der Stel­len­er­he­bung vier­mal jähr­lich das ge­samte Stel­le­nange­bot, al­so auch jene Stellen, die den Ar­beit­sa­gen­turen nicht gemeldet wer­den. Im er­sten Quar­tal 2017 wur­den Ant­worten von an­näh­ernd 8.000 Ar­beit­ge­bern aller Wirtschafts­bereiche aus­gew­ertet.

Branchen­tar­ifver­trag für je­den zweit­en Beschäftigten

Und noch eine aktuelle Un­ter­suchung des IAB: Das An­fang Ju­ni veröf­fentlichte IAB-Be­triebs­pan­el, eine Be­fra­gung von rund 15.000 Be­trieben, zeigt, dass 2016 rund 48 Prozent der Beschäftigten in Deutsch­land in Be­trieben ar­beit­eten, für die ein Branchen­tar­ifver­trag gilt. Seit 1996 ist der An­teil der in tar­ifge­bun­de­nen Be­trieben Beschäftigten deut­lich zurück­ge­gan­gen. 1996 ar­beit­eten in West­deutsch­land 70 Prozent der Beschäftigten in Be­trieben, in de­nen ein Branchen­tar­ifver­trag galt. Im Jahr 2016 waren es nur noch 51 Prozent. In Ost­deutsch­land sank der ent­sprechende An­teil der Beschäftigten von 56 auf 36 Prozent. Ge­genüber 2015 hat sich der An­teil aber kaum verän­dert: In Ost­deutsch­land sank er um ei­nen Prozent­punkt, in West­deutsch­land blieb der Wert kon­s­tant. Für acht Prozent der Beschäftigten im West­en und elf Prozent im Os­ten galt ein zwischen Be­trieb und Gew­erkschaft abgeschlossen­er Fir­men­tar­ifver­trag. Das be­deutet ein Mi­nus von einem Prozent­punkt ge­genüber dem Vor­jahr in Ost­deutsch­land. In West­deutsch­land ist keine Verän­derung zu verzeich­nen. 42 Prozent der west­deutschen und 53 Prozent der ost­deutschen Beschäftigten ar­beit­eten 2016 in Be­trieben ohne Tar­ifver­trag. In West­deutsch­land pro­f­i­tierten 50 Prozent dies­er Ar­beit­neh­mer je­doch in­di­rekt, da sich ihre Be­triebe an Branchen­tar­ifverträ­gen ori­en­tierten. In Ost­deutsch­land waren es 48 Prozent der Beschäftigten.

Foto: ©Morpheusd2 – stock.adobe.com
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KON­JUNK­TUR

Deutsche Wirtschaft in Früh­jahrse­uphorie

Nach­dem die Wirtschaft­sleis­tung in Deutsch­land bere­its im Auf­tak­tquar­tal um über­durch­sch­nittliche 0,6 Prozent im Ver­gleich zu den vo­range­gan­ge­nen drei Mo­nat­en gestie­gen war, ist für das zweite Viertel­jahr erneut ein deut­lich­es Plus von knapp einem hal­ben Prozent zu er­warten. Das hat das Kon­junk­tur­barom­e­ter des Deutschen In­sti­tuts für Wirtschafts­forschung (DIW Ber­lin) ergeben. Es liegt bei 104 Punk­ten und damit deut­lich über der 100-Punkte-Marke, die ei­nen durch­sch­nittlichen Zuwachs des Brut­toin­land­spro­dukts anzeigt. Die deutsche Wirtschaft befinde sich derzeit in ein­er echt­en Früh­jahrse­uphorie. Für die kom­men­den Quar­tale sei aber mit einem et­was gerin­geren Tem­po zu rech­nen. Der Ar­beits­markt bleibe eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Bei spür­baren Lohnzuwäch­sen wer­den die Einkom­men der pri­vat­en Haushalte weit­er stei­gen. Allerd­ings zie­ht auch die Teuerung et­was kräftiger an, so­dass der Kon­sum wohl an Fahrt ver­liere. Die In­dus­trie pro­f­i­tiert von ein­er guten Auf­trags­lage und ein­er an­hal­tend re­gen Aus­land­s­nach­frage. DIW-Kon­junk­turchef Fer­d­i­nand Ficht­n­er dämpft aber über­mäßig op­ti­mis­tische Er­war­tun­gen: „In der In­dus­trie wach­sen die Bäume nicht in den Him­mel: Während es im laufen­d­en Quar­tal wohl ei­nen deut­lichen Schub geben dürfte, wird sie im weit­eren Ver­lauf eher wied­er auf ei­nen mod­er­at­en Aufwärt­skurs ein­sch­wenken.“ Für eine Entsch­le­u­ni­gung spreche auch, dass die Un­terneh­men die aktuelle Lage gün­stiger beurteilen als die Aus­sicht­en. De­shalb dürften auch die Un­terneh­mens­in­vesti­tio­nen im weit­eren Ver­lauf nur ver­hal­ten aus­geweit­et wer­den.

Foto: ©rupbilder – stock.adobe.com
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RECHT & FI­NANZEN

Pauschal 40 Eu­ro bei ver­späteter Lohn­zah­lung

Zahlt ein Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­s­lohn ver­spätet oder un­voll­ständig, hat der Mi­tar­beit­er gemäß § 288 Ab­satz 5 BGB An­spruch auf ei­nen pauschalen Scha­den­er­satz von 40 Eu­ro. So hat es das Lan­de­sar­beits­gericht Köln entschie­den. Ein Lei­har­beit­neh­mer hatte vor Gericht nicht gezahlte Branchen­zusch­läge der chemischen In­dus­trie gel­tend ge­macht und ver­langte 40 Eu­ro Verzugs­pauschale auf den nicht voll­ständig gezahl­ten Lohn. An­ders als die Vorin­s­tanz gab das Lan­de­sar­beits­gericht dem Kläger recht, weil es sich bei der Pauschale um eine Er­weiterung der Regelung zu den Verzugszinsen han­dele, die auf Ar­beit­sent­gel­tan­sprüche zu zahlen sind. Auch der Zweck der ge­set­zlichen Neuregelung, die Er­höhung des Drucks auf den Schuld­n­er, Zah­lun­gen pünktlich und voll­ständig zu er­brin­gen, spreche für eine An­wend­barkeit zu­gun­sten von Ar­beit­neh­mern, die ihren Lohn un­pünktlich oder un­voll­ständig er­hal­ten. Lan­de­sar­beits­gericht Köln, Urteil vom 22. Novem­ber 2016, 12 Sa 524/16

Zinsen stei­gen, Eu­ro sch­wächt sich ab

Die Ex­perten von Banken und Ver­sicherun­gen er­warten, dass die Zinsen im kom­men­den Quar­tal weit­er stei­gen. Zu­gleich rech­nen sie mit einem höheren Öl­preis und einem sch­wächeren Eu­ro. Das ge­ht aus dem er­sten „IW Fi­nan­cial Ex­pert Sur­vey“ des In­sti­tuts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) her­vor. Er führt den früheren Prog­nosetest des Zen­trums für Eu­ropäische Wirtschafts­forschung (ZEW) fort. Im Durch­sch­nitt prog­nos­tizieren die Ex­perten der 14 be­fragten Fi­nanzin­sti­tute, dass die Zinsen für Bun­de­san­lei­hen mit ein­er Laufzeit von zehn Jahren von derzeit 0,34 Prozent bis Ende Septem­ber auf 0,56 Prozent stei­gen. Auch für kurzfristige Geldgeschäfte zwischen Banken rech­nen sie mit stei­gen­den Zinsen. Beim Öl­preis er­warten die Ex­perten ei­nen An­stieg von durch­sch­nittlich 3,1 Prozent im kom­men­den Quar­tal. Auf den Ak­tien­märk­ten dürfte es dage­gen kaum Verän­derun­gen geben. Der Eu­ro werde im Ver­gleich zum Dol­lar et­was bil­liger, im Durch­sch­nitt wird eine Ab­w­er­tung um 2,3 Prozent er­wartet. Das ZEW hatte seit An­fang 2001 quar­tal­sweise die Prog­nosen von Fi­nanzin­sti­tuten zu sechs rel­e­van­ten Wirtschaftsindika­toren abge­fragt und die Qual­ität der Prog­nosen über­prüft. Der IW Fi­nan­cial Ex­pert Sur­vey set­zt diese Ar­beit fort.

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MA­N­AGE­MENT

Die Sor­gen der Chefs

Die un­sichere poli­tische Lage rund um den Globus ist aus Sicht deutsch­er Un­terneh­men derzeit die größte Her­aus­forderung. Das ge­ht aus ein­er ge­mein­sa­men Um­frage von IW Con­sult und The Con­fer­ence Board her­vor. Sor­gen vor ein­er globalen Rezes­sion sind bei hie­si­gen Ma­n­agern dage­gen weniger ver­breit­et als in an­deren Län­dern. Die Suche nach und die En­twick­lung von kom­men­den Führungskräften spielt bei der Per­so­n­al­pla­nung eine be­son­ders große Rolle. Auf den Rän­gen drei bis sechs der brisan­testen The­men fol­gen aus Sicht der 31 be­fragten Ma­n­ag­er deutsch­er Un­terneh­men die eu­ropäische Fi­nanzsta­bil­ität, der zuneh­mende Ter­roris­mus, Cy­ber­sicher­heit und Ge­walt. Deut­lich weniger Aufmerk­samkeit wid­men die Entschei­der den Ef­fek­ten des Brex­it, dem Kli­mawan­del und dem schwachen Wirtschaftswach­s­tum in den Sch­wel­len­län­dern. Die Um­frage der IW Con­sult in Deutsch­land ist Teil der weltweit­en Er­he­bung des Wirtschaft­s­net­zw­erks The Con­fer­ence Board, an der mehr als 500 CEOs teil­nah­men. Dabei zeigt sich: Die Sor­gen deutsch­er Ma­n­ag­er heben sich von je­nen in an­deren Län­dern ab – et­wa hin­sichtlich des Risikos ein­er globalen Rezes­sion, dem in Deutsch­land nur wenig Beach­tung geschenkt wird. Weltweit ste­ht diese Sorge bei CEOs dage­gen an er­ster Stelle.

Min­dest­lohn statt Tar­i­flohn

Der Min­dest­lohn hat die Tar­ifver­hand­lun­gen kom­pl­iziert­er ge­macht und manchen Tar­i­flohn ver­drängt. Wie eine Be­fra­gung von acht Branchen­ver­bän­den durch das In­sti­tut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, se­hen einige Ver­bände darin ei­nen er­he­blichen Ein­griff in die Tar­i­fautonomie. In fast allen be­trof­fe­nen Branchen habe der Min­dest­lohn Tar­i­flöhne ver­drängt oder die Tar­i­floh­n­dy­namik vorbes­timmt. Der Min­dest­lohn hat in allen Branchen zu einem spür­baren An­stieg der Stun­den­löhne ge­führt. Diese fi­nanzielle Mehr­be­las­tung für die Un­terneh­men wurde nicht an an­der­er Stelle, beispiel­sweise durch Kürzun­gen bei tar­i­flichen Son­derzah­lun­gen oder Zusch­lä­gen, aufge­fan­gen. Solche Ein­sch­nitte gab es allein in der Sys­tem­gas­tronomie, allerd­ings dort auch nur für Neueingestellte. Da der Lohn­ab­s­tand zwischen weniger qual­i­fizierten und qual­i­fizierten Tätigkeit­en ver­ringert wor­den ist und einige Gew­erkschaften zu­dem ei­nen Ab­s­tand zwischen dem un­ter­sten Tar­i­flohn und dem Min­dest­lohn fordern, dürften die Tar­ifver­hand­lun­gen in Zukunft deut­lich­er kom­pl­iziert­er wer­den. Wenn die Ar­beit­ge­ber aus wirtschaftlichen Grün­den nicht zu ein­er Ent­loh­nung deut­lich über dem ge­set­zlichen Min­dest­lohn bere­it seien, werde es im Zweifel keine neuen Tar­ifverträge geben.

Ste­fan Mülders | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 06/2017