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Business

Innovationen, Investitionen, Internationalität

Die Veranstaltungswirtschaft profitiert von zahlreichen Konzerten sowie dem hervorragenden, internationalen Ruf des „Messe- und Kongresslandes Deutschland“, den sie mit nachhaltig guten Rahmenbedingungen erschaffen hat. Ausländische Geschäftsleute sind hier gerne zu Gast.

Bild oben: © Thaut Images – stock.adobe.com
Ver­an­s­tal­tungs-Lo­ca­tions um­fassen bei Weit­em mehr als große Fußball­s­ta­di­en. Messe­hallen, Kon­gresszen­tren, Kul­tur-, Konz­ert- und Mehrzweck­hallen für Ve­r­an­s­tal­tun­gen von weni­gen Hun­dert bis mehr­eren 1.000 Sitz­plätzen ge­hören dazu. Ihre Aus­las­tung und damit das an­hal­tende Wach­s­tum der Ve­r­an­s­tal­tungs­branche hat auch in den let­zten Jahren nicht nachge­lassen.
In der Musikver­an­s­tal­ter­branche wird zwischen Musik­clubs (bis zu 1.000 Qua­drat­me­tern und min­destens 24 Konz­erten im Jahr) und den großen Konz­erthallen (ab 1.000 Qua­drat­me­tern) un­ter­schie­den. „Mit einem An­teil von 27 Prozent an der Brut­tow­ertschöp­fung der Musik­wirtschaft ist der Teilsek­tor Musikver­an­s­tal­tun­gen der größte Teilsek­tor“, lautet ein Ergeb­nis der Studie Musik­wirtschaft in Deutsch­land, die im Jahr 2015 von den be­deu­tend­sten musik­wirtschaftlichen Ver­bän­den ge­mein­sam veröf­fentlicht wurde. Mit 127.600 Er­werb­stäti­gen wer­den bun­desweit alle an­deren Me­di­en­branchen weit übertrof­fen. Rund 48 Prozent des in die­sem Wirtschaft­szweig täti­gen Per­so­n­als ist im Bereich „Live Mu­sic“ beschäftigt. Konz­ertver­an­s­tal­ter erziel­ten, der Studie zu Folge, im Jahr 2014 Ge­samterträge von rund 1,5 Mil­liar­den Eu­ro, wobei hi­er mit 72,9 Prozent in er­ster Linie die Tick­etverkäufe zu Buche sch­lu­gen. Die Be­treiber der Konz­erthallen sind oft auch als örtliche Mitver­an­s­tal­ter der Konz­erte ak­tiv und waren mit Ge­samterträ­gen von 248 Mil­lio­nen Eu­ro an den Um­sätzen beteiligt, wobei 45,2 Prozent auf die Ver­mi­e­tung von Hallen und Sälen, 14,2 Prozent auf Er­lösan­teile aus dem Tick­etverkauf und 11,4 Prozent auf den Um­satz aus Getränke- und Speisen­verkauf ent­fielen. Auf der Kosten­seite haben Hal­len­be­treiber mit ihrem Per­so­n­al (37,6 Prozent) und ein­er Vielzahl son­stiger Sachkosten (39,1 Prozent) die höch­sten Aus­gaben zu stem­men.

Wach­sen­der Messe­platz Deutsch­land

© Thaut Images – stock.adobe.com
© Thaut Im­ages – stock.adobe.com

Ein wesentlich­er Geschäft­szweig viel­er Mehrzweck­hallen ist der Bereich „Messen und Kon­gresse“. Dass die deutschen Messe­plätze bei hin­reichen­der Quan­tität zuneh­mend in Qual­ität in­vestieren, un­ter­streicht der Ver­band der deutschen Messewirtschaft AU­MA. Wur­den im Jahr 2016 bere­its rund 250 Mil­lio­nen Eu­ro von den deutschen Messege­sellschaften für Sanierun­gen und Mod­er­nisierun­gen aus­gegeben, soll bis zum Jahr 2022 eine weitere Summe von über 1,2 Mil­liar­den Eu­ro für mehr Moder­nität und Ser­vice an den Messe­plätzen sor­gen. Vor allem die Mod­er­nisierung beste­hen­der Hallen, die teils schon deut­lich in die Jahre gekom­men sind, er­fordert ei­nen ho­hen In­vesti­tionsbe­darf. Er­weiterun­gen spielen dabei nur eine Neben­rolle, ob­wohl die beste­hen­den Hal­lenka­paz­itäten von rund 2,8 Mil­lio­nen Qua­drat­me­tern im Pla­nungszei­traum noch um 55.000 Qua­drat­me­ter er­weit­ert wer­den sollen, das er­gab eine Um­frage un­ter 25 deutschen Messe­plätzen mit na­tio­naler und in­ter­na­tio­naler Be­deu­tung (sie­he Gra­fik) im ver­gan­ge­nen Fe­bruar. „Weitere In­ves­tio­nen sind für die Verbesserung der In­fras­truk­tur und der Gas­tronomie ge­plant. Eine wesentliche Rolle spielen dabei wach­sende An­forderun­gen an Nach­haltigkeit und En­ergieeins­parun­gen“, stellt die AU­MA in ein­er aktuellen Pressemel­dung vom März die ge­sellschaftliche Mitver­ant­wor­tung der Branche in den Vorder­grund. Rech­net man die Messe­plätze mit re­gio­naler Be­deu­tung die­sem Ve­r­an­s­tal­tung­shallen-Vol­u­men hinzu, ver­fügt Deutsch­land derzeit über knapp 3,2 Mil­liar­den Qua­drat­me­ter Messe­hal­len­fläche.

Kont­inuier­lich­es Wach­s­tum

Joachim König, Präsident des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren e. V. (EVVC) (Foto: EVVC e. V.)
Joachim König, Präsi­dent des Eu­ropäischen Ver­ban­des der Ve­r­an­s­tal­tungs-Cen­tren e. V. (EVVC) (Fo­to: EVVC e. V.)


Das viele Messe in den let­zten Jahren na­hezu kont­inuier­lich gewach­sen sind, er­möglicht den Be­treiberge­sellschaften dies­er Ve­r­an­s­tal­tung­shallen das beschriebene In­vest in die In­fras­truk­tur. Das bin­det wiederum renom­mierte Mes­sev­er­an­s­tal­ter mit na­tio­n­al oder in­ter­na­tio­n­al aus­gerichteten Branchen-High­lights an den Messe­platz Deutsch­land. Auf den 186 größten Messen wur­den 2016 rund 191.000 Aussteller gezählt, die Stand­flächen von zusam­men 7,5 Mil­lio­nen Qua­drat­me­tern belegten, so die vor­läu­fi­gen Berech­nun­gen der AU­MA zum abge­laufe­nen, sehr guten Messe­jahr. Hi­er fielen ver­schie­dene große Messen mit ihrem Drei- oder Vi­er-Jahres-Tur­nus in den Jahreskal­en­der. Sie alle waren für 10,5 Mil­lio­nen Messebe­such­er in­teres­sante Ziele. Den in­ter­na­tio­n­al guten Ruf der deutschen Mes­se­land­schaft un­ter­streicht auch das Wach­s­tum bei den aus­ländischen Ausstellern, die im ver­gan­ge­nen Jahr mit 111.500 deut­lich über den 79.500 heimischen Ausstellern sum­mierten (sie­he Gra­fik). Und auch bei Ta­gun­gen und Kon­ferenzen be­hauptet sich das „Kon­gress­land Deutsch­land“ mit ein­er Top-Platzierung im eu­ropäischen Ver­gleich. 659 Kon­gresse fan­den hi­er im Jahr 2014 statt, ge­fol­gt von Spanien (578), Großbri­tan­nien (543), Frankreich (533) und Italien (452). In­ter­na­tio­n­al sch­la­gen nur die USA mit 831 Kon­gressen die deutsche Kon­gress­wirtschaft, so das IC­CA-Rank­ing „In­ter­na­tio­nale Kon­gresse 2014“, dessen Top-Ergeb­nisse von der Deutschen Zen­trale für Touris­mus e. V. in ein­er Zusam­men­fas­sung wichtiger Branchen­s­tu­di­en un­ter dem Ti­tel „In­com­ing Touris­mus Deutsch­land 2015“ veröf­fentlicht wur­den. Fol­glich war Deutsch­land im Jahr 2014 mit 12,3 Mil­lio­nen aus­ländischen Gästen auch der busi­ness-touris­tische Spitzen­reit­er in Eu­ro­pa. Ka­men hi­er­von 44 Prozent als klas­sische Geschäft­s­reisende nach Deutsch­land, so hat­ten im­mer­hin 56 Prozent der Busi­ness-Gäste das Ziel, eine Ve­r­an­s­tal­tung zu be­suchen. Allein 27 Prozent waren Gäste bei Kon­gressen und Kon­ferenzen, 22 Prozent hat­ten Messen und Ausstel­lun­gen zum Ziel, und 6 Prozent waren zu In­cen­tives ein­ge­la­den. Im Ver­gleich: Frankreich und Großbri­tan­nien fol­gen in der Geschäft­s­reise-Statis­tik mit 5 Mil­lio­nen bzw. 4,5 Mil­lio­nen weit abgesch­la­gen auf den näch­sten Plätzen.

Fu­ture Meet­ing Space

Matthias Schultze, Geschäftsführer des GCB German Convention Bureau e. V.
Mat­thias Schultze, Geschäfts­führ­er des GCB Ger­man Con­ven­tion Bu­reau e. V.

Die zuneh­mende Be­deu­tung von Busi­ness-Events im Geschäft­sleben deutsch­er Un­terneh­men verdeut­licht auch das „Meet­ing- & Event­barom­e­ter 2015/2016“ des EVVC. Im 10-Jahres-Ver­gleich zeigt die En­twick­lung der Geschäft­s­reisen nach Deutsch­land seit 2006 ein deut­lich­es Wach­s­tum, und zwar bei den In­cen­tives um plus 362.000, bei Messen und Ausstel­lun­gen um zusät­zliche 548.000 sowie bei Kon­gressen und Kon­ferenzen so­gar um 757.000 Gäste. Hinge­gen nahm die Zahl bei den tra­di­tionellen Geschäft­s­reisen um 378.000 Gäste ab. Gäste ein­er Messe oder ein­er Ta­gung er­warten von den Ve­r­an­s­tal­tern zuneh­mend nicht nur mod­erne Räum­lichkeit­en, son­dern auch ein tech­nisch­es Ange­bot auf der Höhe der Zeit. Hier­bei ist der Branche die bish­erige Regelung zur „WLAN-Stör­er­haf­tung“ ein empfind­lich­er Stachel im Fleisch, stell­ten doch frei zugängliche W-LAN Netze bish­er für Hal­len­be­treiber sowie Mes­sev­er­an­s­tal­ter ein nicht ein­schätzbares, ju­ris­tisch­es Risiko dar. „Nur wenn generell ver­hin­dert wird, dass WLAN-An­bi­eter für rechtswi­drige Hand­lun­gen eines Nutz­ers haft­bar ge­macht wer­den, wird das Ziel ein­er ver­stärk­ten Aus­deh­nung des Ange­botes draht­los­er In­ter­net­zugänge er­reicht wer­den kön­nen“, forderte EVVC-Präsi­dent Joachim König. Mit der an­ste­hen­den Nov­el­lierung des Teleme­di­enge­setzes wird die­s­es Problem je­doch schon bald ein his­torisch­es sein, scheint sich die große Koali­tion in Ber­lin einig zu sein. Ein langfristiges und span­nen­des Sch­w­er­punkt­the­ma ist für den Ver­band hinge­gen der Blick in die Zukunft der Branche, mit der Er­forschung von Trends, In­no­va­tio­nen und ge­sellschaftlichen En­twick­lun­gen sowie deren Ein­fluss auf die Ve­r­an­s­tal­tungswirtschaft. Sechs Sze­narien zur Or­gan­i­sa­tion künftiger Ve­r­an­s­tal­tun­gen wur­den dabei ge­mein­sam mit dem Fraun­hofer-In­sti­tut für Ar­beitswirtschaft und Or­gan­i­sa­tion IAO sowie dem GCB Ger­man Con­ven­tion Bu­reau un­ter dem Pro­jekt­na­men „Fu­ture Meet­ing Space – Strate­gien und Konzepte fü die Zukunft“ en­twick­elt. Je nach Sze­nario ste­hen dabei zum Beispiel eine ver­stärkte In­ter­ak­tion der Teil­neh­men­den, die Ver­net­zung räum­lich verteil­ter Ve­r­an­s­tal­tun­gen oder die Kom­bi­na­tion aus realen und virtuellen El­e­men­ten („Hy­brid­ität“) im Vorder­grund: „Es sind in­no­va­tive und zukunfts­fähige Sze­narien, die mit dazu bei­tra­gen, die Spitzen­po­si­tion Deutsch­lands als führen­den Ta­gungs- und Kon­gress­s­tan­dort zu stärken“, so Mat­thias Schultze, Geschäfts­führ­er von GCB Ger­man Con­ven­tion Bu­reau e. V. Em­rich Wels­ing | re­dak­tion@re­vi­er-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 04/2017